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Canale Sociale: Die Szenemacher am Wasser

Donaukanal. Wer mit wem gut und wer mit wem noch besser streiten kann.

Die Wiener und ihr Donau kanal: Eine Affäre, die im Vorjahr zu prickeln begann und sich heuer intensivierte. Wie sehr, das untersucht Stadtpsychologin Cornelia Ehmayer derzeit in einer Studie, deren Ergebnis im Sommer 2007 vorliegen wird.

Ein anderes Resümee lässt sich bereits jetzt ziehen: Nämlich wie es im Jahr zwei des Kanal-Hypes und nach dem ersten Sommer mit Badeschiff um den Kanal und seine Gastronomen bestellt ist. Wer sind eigentlich die Menschen, die die Szene am Wasser machen und wie kommen sie miteinander aus?

Nun, das kommt darauf an, wen man fragt. Fragt man Gerold Ecker, dann harmoniert man "eh ganz gut". Ecker arbeitete vor seinem Einstieg in die Gastronomie ("Expedit", "Kiosk", am Kanal: "Adria Wien", "Badeschiff") für die Grünen, konkret für Johannes Voggenhuber (1995 bis 2000). Aus der Zeit sind ihm auch Freunde/Gäste geblieben, auch wenn Ecker über seine Klientel nicht so gerne spricht ("Fragen Sie lieber den Schellmann" - Summerstage-Betreiber, Anm.) Unter anderem zählt aber Werner Kogler, Grünen-Budgetsprecher, zum sonst Kreativ-Branche-lastigen "Expedit-Universum". Wer sonst noch dazu gehört: Walter Gröbchen, dessen Agentur "Monkeymusic" Badeschiff & Co betreut und für gute Kontakte zur Musikbranche sorgt.

G
ute Kontakte hat auch Rudi Konar, der gemeinsam mit Alexander Kaiser die Strandbar Herrmann betreibt. Einerseits zur Ecker-Crew: "Wir haben denen während der Bauarbeiten Bier rüber gebracht." Immerhin. Andererseits zur Medien-Szene: Konar war früher beim "Wirtschaftsblatt" und tatsächlich sind am stets reichlich bevölkerten Sandstrand Journalisten durchaus vertreten. Nebst Studenten übrigens. Angebote von Unifest-Organisatoren wie DocLX habe man abgelehnt, sagt Konar. Ebenso solche für Single-Parties.

Ecker und Konar, das ist die eine, Tom Eller und Georg Florian, das die andere Seite. Flex-Betreiber Eller ist Kanal-Gastronom der ersten Stunde (im Vorjahr feierte die Szene-Institution ihr Zehnjähriges) und war über das neue Badeschiff not amused: "Der erste Gedanke war: Da hat mir einer die Idee gestohlen", erinnert sich der Tiroler, dessen Schiffsvariante 2009 in Betrieb gehen soll. Gedanke Nummer zwei war gelassener: "Ich betrachte es inzwischen als Crash-Test-Dummy, dessen Fehler ich nicht wiederholen will."

Freundlichere Worte hat Eller da für das "Kanal-Kücken" Georg Florian, der mit Freund Andreas Schrenk das "Dock 21", ein Schanigarten-Lokal im Improvisations-Look, betreibt: Man kennt sich nämlich aus Jugendzeiten. Außerdem sind sowohl Eller als auch Florian, der seit neun Jahren den Club "Massiv" leitet, gut in der heimischen DJ-Szene verankert.

Bleibt noch Ossi Schellmann mit seiner Summerstage: Der frühere Café-Stein-Besitzer und U4-Mitbegründer kennt die "Wiener Szene" tatsächlich gründlich, bleibt in der sowieso eher losen Runde der "Wasser-Gastronomen" aber allein. Ob die harschen Worte über die jüngeren Mitkonkurrenten schuld sind (zum Badeschiff: "Gehört nachgebessert!", zum Dock 21: "Gehört weg", zur Strandbar: "Die Hygiene!", zum Flex: "Die Punks!")? Schellmann: "Ich bin halt überkritisch, auch zu mir selbst." Die Summerstage hat sowieso ihr uniques Stamm-Klientel (kurzer Auszug: "Dancing Star" Mad Schuh, Ex-Volleyballer Oliver Stamm, Kabarettistin Monika Weinzettl). Und wenn dem umtriebigen Gastronomen, der im Kopf stets eine lange To-Do-Liste mit Verbesserungen für den Kanal führt, nach Abwechslung steht, dann fliegt er an einen anderen: Nach Venedig zum Beispiel. Spontan. Mit Freunden. "Etwas Spinnertes machen", nennt er das dann. Apropos Freunde: Politisch gesehen, hat Rot-Grün die Mehrheit am Kanal - zumindest wenn man's in Affinitäten misst. Die weiß man allerdings tatsächlich nur von dreien der fünf genannten (Ecker - siehe oben): Das Flex etwa wurde durch einen rot-grünen Gemeinderatsbeschluss ermöglicht (die ÖVP - Stichwort "Pelzmantel-Demo" - war strikt dagegen). Eller: "Damit ist es eh klar". Und auch Schellmann wehrt sich nicht, wenn man von einer "gewissen Art von Freundschaft" zur Stadtpartei spricht.

stadtmenschen@diepresse.com