Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Türkei: PKK verübt Anschlag in Gaziantep

(c) EPA (STR)
  • Drucken

Ein blutiges Attentat der PKK mit neun Toten in der modernen Metropole Gaziantep im Osten der Türkei erhöht den Druck auf Regierungschef Erdoğan, der immer wieder betont, das Kurdenproblem sei gelöst.

Istanbul/Keet. Am zweiten Tag des Zuckerfestes, das in der Türkei einen ähnlichen Status hat wie hierzulande Weihnachten, schleppte die PKK einen mit Sprengstoff voll gestopften Wagen in die moderne östliche Metropole Gaziantep. Etwa dreißig Meter von der Polizeidirektion entfernt wurde der Wagen abgestellt und kurz darauf mit Fernzündung in die Luft gesprengt. Auch wenn es offensichtlich ist, dass es der PKK darum ging, so nah wie irgend möglich am Polizeipräsidium zu parken, nahm sie es doch zynisch in Kauf, dass die meisten Opfer friedliche Passanten waren. Unter den neun Toten sind vier Kinder zwischen eineinhalb und zwölf Jahren. Bei der Explosion am Montagabend wurden außerdem 69 Menschen zum Teil sehr schwer verletzt. Bilder zeigten die Umgebung in einem Flammenmeer.

Mal Verbündeter, mal Konkurrent

Mit der Bombe am Zuckerfest bereitet die PKK Premier Recep Tayyip Erdoğan Schwierigkeiten, der immer wieder betont, das Kurdenproblem sei gelöst. Die ultranationalistische Partei der nationalistischen Bewegung (MHP), in vielen Fragen ein Verbündeter der Regierung, aber auch ein Konkurrent, der um die gleichen Wählerschichten kämpft, könnte ein noch härteres Vorgehen gegen die kurdischen Separatisten fordern und damit Erdoğan vor sich hertreiben. Erdoğans AK-Partei rechnet es sich zu Recht als großes Verdienst an, den Ausnahmezustand in den kurdischen Gebieten abgeschafft zu haben. Die Wiedereinführung des Ausnahmezustandes wäre für Erdoğan eine Blamage und würde außer den türkischen Nationalisten wohl niemanden erfreuen.

Dass Aktionen wie die Autobombe mitten unter festlich gestimmten Passanten in Gaziantep auch unter Kurden nicht unbedingt populär sind, nimmt die PKK offenbar in Kauf. Weitere blutige Anschläge sind zu befürchten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.08.2012)