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Migranten besonders oft in Brennpunktschulen

Migranten besonders Brennpunktschulen
(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
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Kinder gebildeter Migranten teilen sich oft das Klassenzimmer mit Kindern ungebildeter Österreicher. Für die Leseleistung sei nicht die Sprache, sondern die Bildung der Mutter elementar.

Es klingt wie eine Binsenweisheit: Migranten gehen häufig in Schulen mit "sozial benachteiligtem Umfeld". Wissen wir doch, dass Migranten besonders oft aus einem solchen Umfeld stammen, sprich einem bildungsfernen Elternhaus. Doch die OECD-Vergleichsstudie "Bildung auf einen Blick 2012" belegt, dass auch Migranten aus einem gebildeten Elternhaus viel häufiger an Brennpunktschulen vertreten sind als Österreicher. Konkret besuchen mehr als doppelt so viele Migranten aus gebildeten Familien "benachteiligte Schulen" als vergleichbare einheimische Schüler, nämlich 46 versus 23 Prozent. Im Schnitt der 21 untersuchten EU-Länder sieht es ähnlich aus, nämlich 44 zu 22 Prozent. In Australien dagegen sind die Werte für beide Gruppen ident bei 15 Prozent.

Welche Schüler in eine Schule gehen, kann die Lernergebnisse des Einzelnen signifikant beeinflussen. Dabei spielt es aber eine geringere Rolle, ob viele eine andere Muttersprache haben. Entscheidend ist vielmehr, ob viele Schüler aus einem bildungsfernen Elternhaus kommen, wie die OECD-Studie besagt. Dass Migrantenkinder hier schlechte Karten haben, begründet die OECD damit, dass sich in Europa Migranten tendenziell in sozioökonomisch benachteiligten Vierteln konzentrieren und trotz höherer Bildung nur eine niedrige berufliche Stellung erreichen. Es ist folglich schwieriger, in eine bessere Wohngegend zu ziehen.

Wie wirkt sich eine Brennpunktschule aus?

In der auf Daten der PISA-Erhebungen 2009 basierenden Studie wurde auch untersucht, wie genau sich der Besuch einer benachteiligten Schule auf die Leistungen der Schüler auswirkt: Im Vergleich zu Standorten, an denen nur wenige Schüler aus einem bildungsfernen Haushalt kommen, haben sie bei der Lesekompetenz um 82 Punkte weniger erreicht. Das entspricht dem Bildungszuwachs von mehr als zwei Jahren. Im OECD-Schnitt liegt der Unterschied bei 77 Punkten, in Finnland sind es gar nur 23.

Noch stärker als der Besuch einer benachteiligten Schule wirkt sich allerdings auf die PISA-Leistungen der einzelnen Schüler aus, ob ihre Mutter nur Pflichtschulabschluss oder eine höhere Bildung hat: Hier beträgt der Unterschied 95 Punkte und damit den Bildungszuwachs von rund zweieinhalb Jahren. Im OECD-Schnitt sind es nur 67 Punkte, in Finnland 50.

Die Tatsache, ob es an der Schule viele Schüler mit Migrationshintergrund oder einer anderen Muttersprache gibt, hat laut der Studie auf die Leistung der Schüler mit Migrationshintergrund bereits deutlich weniger Einfluss als der Anteil der Schüler aus bildungsfernem Elternhaus. Bei den einheimischen Schülern ist er in Österreich nicht einmal statistisch relevant.

In Kürze

Haben an einer Schule besonders viele Schüler eine Mutter, die maximal die Pflichtschule abgeschlossen hat, werden diese von der OECD als "benachteiligte Schulen" eingestuft. In Österreich landen Schüler mit Migrationshintergrund laut der OECD-Studie wesentlich häufiger an solchen Schulen, auch wenn sie selbst nicht aus einem bildungsfernen Elternhaus kommen.

(APA/Red.)