Die Schweiz verkauft Euro

Symbolbild(c) Clemens Fabry

Nachdem die Schweizerische Nationalbank den Euro durch massive Devisenkäufe gestützt hat, hat die SNB ihre Euroreserven heimlich reduziert – und die Märkte haben kaum reagiert. Ein gutes Zeichen für den Euro.

Wien/Zürich/jil. Stell dir vor, die Schweizerische Nationalbank (SNB) verkauft Euro – und keiner merkt es. So geschehen im vergangenen Quartal: Nachdem die SNB den Euro durch massive Devisenkäufe gestützt hat, ist sie klammheimlich auf die Verkäuferseite gewechselt. Das berichtet das „Wall Street Journal“. Und was auf dem Höhepunkt der Eurokrise für Panik hätte sorgen können, interessiert die Märkte plötzlich nicht mehr.

Der täglich vier Billionen Dollar schwere Devisenmarkt hat die Reduktion der Schweizer Euroreserven noch nicht einmal registriert. Dabei hat die SNB mit Devisenreserven von rund 430 Mrd. Schweizer Franken (rund 360 Mrd. Euro) ein gewichtiges Wort mitzureden auf diesem Markt. Dass die Euroverkäufe offenbar keine Auswirkungen auf den Wechselkurs hatten, ist ein positives Zeichen für den Euro: Die Nachfrage nach der europäischen Einheitswährung scheint zu steigen.

Fluchtwährung Franken

Rückblick: Im September 2011 beschloss die SNB massive Eurokäufe, nachdem der Franken gegenüber dem Euro stark gestiegen war. Der Franken gilt als Fluchtwährung. Ziel der SNB: einen Kurs von 1,20 Franken pro Euro zu verteidigen. Der Anteil des Euro an den Devisenreserven der Schweiz ist daraufhin auf bis zu 60 Prozent angeschwollen. Dann kündigte EZB-Präsident Mario Draghi theoretisch „unbegrenzte“ Anleihenkäufe von Problemstaaten an, um den Euro zu schützen. Kurze Zeit später folgte Fed-Chef Ben Bernanke mit der Ankündigung von „Quantitative Easing 3“. Die dritte Runde des US-Gelddruckprogramms nahm weiteren Druck vom Euro, der Kurs erholte sich.

Damit entspannte sich auch die Krise in Europa und die SNB dürfte die Gelegenheit für eine Trendwende genutzt haben. Jetzt liegt der Euro-Anteil an den Devisen bei „nur“ noch 48 Prozent. Und damit im Sinn der SNB. Denn das langfristige Ziel der Schweizer Notenbank sei ein Euro-Anteil von rund 50 Prozent, sagte SNB-Sprecher Walter Meier.

Wechselkursgrenze bleibt

Ein allzu starker Franken gefährdet die Schweizer Exportindustrie. Beobachter gehen aber davon aus, dass die Untergrenze von 1,20 Franken pro Euro von der SNB derzeit ohne Probleme gehalten werden kann – weshalb nicht von weiteren Eurokäufen auszugehen ist. Ein deutliches Wiederaufflammen der Eurokrise könnte die Situation freilich wieder ändern. Die SNB hat ihren Willen, die Wechselkursgrenze weiterhin zu verteidigen, jedenfalls bekräftigt.