Warum Kreisky die Vietcong anerkannte und Amerika ärgerte

Warum Kreisky Vietcong anerkannte
(c) APA (HARALD SCHNEIDER)

Als dritter westlicher Staat nahm Österreich vor 40 Jahren diplomatische Beziehungen zu kommunistischem Nordvietnam auf.

Wien/Basta. Für das kleine Österreich war es ein gewagter Schritt: Vor 40 Jahren, am 1. Dezember 1972, erkannte Bruno Kreiskys Regierung offiziell Nordvietnam an, das damals gegen die USA und das von ihr protegierte Südvietnam kämpfte. Vor Wien hatte kaum ein anderer Staat mit den kommunistischen Vietcong diplomatische Beziehungen aufgenommen. Außer der Sowjetunion und China, die ihren Genossen und „Revolutionsführer“ Ho Chi Minh mit Waffen und Know-how unterstützten, hatten nur die Schweiz und Schweden offiziell Kontakt zu Hanoi.

Die USA reagierten erzürnt. „Mit Trauer“ habe Washington die Pläne über Beziehungen zu Nordvietnam aufgenommen, protestierte der US-Botschafter John Humes. Er sprach von „schweren Belastungen“ für die Friedensverhandlungen mit den Vietcong in Paris. „Das waren diplomatische Übertreibungen“, erinnert sich heute Kreiskys Vertrauter Peter Jankowitsch, damals UN-Botschafter in New York. „Unsere Beziehungen zu den USA wurden nicht getrübt, Bruno Kreisky wurde kurz danach nach Washington eingeladen.“ Es sei Teil „unserer Außenpolitik als neutraler Staat gewesen, solche Signale zu setzen“, sagt der spätere Außenminister und heutige Präsident der Gesellschaft Österreich-Vietnam zur „Presse“.

 

Vietcong-David gegen US-Goliath

Es war tatsächlich ein starkes Signal – damals tobte noch der Kalte Krieg, und es war alles andere als klar, ob sich Vietnam nicht doch zu einem sowjetischen Satelliten in Südostasien entwickeln würde. Eine nicht unwichtige Rolle dürfte die Stimmung in Europa gespielt haben. Die linke 1968er-Bewegung hatte den Vietnam-Krieg zu einem Symbol stilisiert: Der Kampf gegen die verhasste Supermacht wurde zur Schlacht „ihres“ David gegen den allmächtigen Goliath. Überall entstanden sozialdemokratische Indochina-Komitees, auch in Österreich. Auf die Ereignisse in Vietnam selbst schaute man dabei nicht so genau: Thema waren die US-Massaker, der Vietcong-Terror gegen die Zivilbevölkerung hingegen war tabu.

Das heutige Vietnam dürfte Ho Chi Minhs Vorstellungen eines egalitären Bauernstaates nicht entsprechen. Ein von der KP dirigierter Kapitalismus, ähnlich wie in China, zieht Investoren an. Die Kosten dafür sind eine immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich. Dissidenten werden unterdrückt. Jankowitsch: „Wir wissen natürlich, dass es Veränderungen geben muss.“

Diskussion: „Von Solidarität zu Partnerschaft“, 40 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Österreich und Vietnam. 30.11., 19 Uhr, Diplomatische Akademie, 1040 Wien.