Sponsoring: Sölden profitiert von Ted Ligetys Medaillenfestival

Ted Ligety(c) EPA ROBERT PARIGGER

Die Partnerschaft des Ötztaler Tourismusverbandes mit dem US-Skiteam rund um WM-Star Ted Ligety trägt zwar Früchte des Zorns, bringt aber auch enorme PR- und Werbewerte. 400.000 Euro wurden gut investiert.

Schladming/FLO. Viele Pisten führen im alpinen Wintersport zum PR-Erfolg. Söldens jüngster Versuch, jungen Gästen über eine Partysendung à la Ballermann als Wintersportdestination im Gedächtnis zu bleiben, stieß in der Bevölkerung auf gehörigen Widerstand. Hingegen trifft der Weg, über die Kooperation mit dem US-Team breitere, wenn nicht sogar weltweite Aufmerksamkeit zu erreichen, auf Zustimmung. Vor allem dank der Erfolge von Ted Ligety, der bei der WM in Schladming ins Rampenlicht gefahren ist.

Der Erfolgslauf des US-Teams  – und damit der erhoffte Werbewert für Sölden – war bei der WM in Schladming keineswegs eine Selbstverständlichkeit, wie Oliver Schwarz, Geschäftsführer des Ötztal-Tourismus, weiß: „Durch die Verletzung von Bode Miller und Lindsey Vonn war nicht sicher, ob wir Erfolg haben werden.“ Ligety oder Julia Mancuso füllten diese Lücke bravourös, auch von Mikaela Shiffrin erwartet sich Schwarz die Fahrt auf das Podest – wenn nicht gar zu Gold. Damit wäre der Skidestination Ötztal mit ihren zwei Millionen Nächtigungen pro Jahr breite Aufmerksamkeit garantiert.

„Die Amerikaner sind cool“

400.000 Euro lässt man sich das Sponsoring kosten, dazu kommt die Bereitstellung rennfertiger Trainingspisten. Die Anmietung der Appartements übernehmen die Gäste aus Übersee selbst, mit Bode Miller besteht daneben ein eigener Kontrakt. In seiner Glanzzeit war der Exzentriker eine knappe Million Euro Jahresgage wert, mittlerweile bescheidet sich der Fanmagnet mit einem niedrigen sechsstelligen Betrag.

„Die Amerikaner lassen sich gut verkaufen, weil sie cool rüberkommen. Sie garantieren uns Internationalität“, bilanziert Schwarz zufrieden. Deshalb konnte man seitens der Ötztaler auch den anfänglichen Ärger des Österreichischen Skiverbandes nicht nachvollziehen. Peter Schröcksnadel hatte sich im Vorjahr vor dem Saisonauftakt lautstark darüber mokiert, dass Amerikaner auf österreichischem Terrain ein Heimspiel hätten. Das löste eine Diskussion über den Widerspruch von Patriotismus und Investition aus. Söldens Bergbahnenchef Jakob Falkner nahm jedoch allen Gegenargumenten jegliche Substanz: „Wir unterstützen auch Österreicher.“

Mittlerweile haben sich die Wogen geglättet, wenngleich Schröcksnadel das US-Team angesichts der Trainingsheimat Tirol zuletzt als „Österreich 2“ bezeichnet hat. Tatsächlich müsste der ÖSV sein Marketingprinzip hinterfragen, doch was könnte Österreichs Wirtschaft und Sport Besseres passieren, als Interesse am Skisport auch fern der Landesgrenzen? England erlebte etwa durch den Radsportboom um Tour- und Olympiasieger Bradley Wiggings einen Hype, der den Absatz an Rennrädern auf der Insel um 200 Prozent steigen ließ.

„Wir könnten das ÖSV-Team als Tourismusort gar nicht sponsern“, sagt Oliver Schwarz. Einzig die Tirol-Werbung prangt von den Rennanzügen des Skiverbandes. 700.000 Euro kostet das seit zwei Jahrzehnten bestehende Engagement, PR-Aktivitäten sind keine bekannt. Das Ötztal wird unmittelbar mit dem US-Ski-Team assoziiert. Schwarz sagt: „Alle wollen wir Skisport attraktiv machen. Chauvinismus hat dabei nichts verloren.“