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Türkei: Erdoğan baut sich in Istanbul ein Denkmal

Recep Tayyip Erdoğan und Antonis Samaras
Recep Tayyip Erdoğan und Antonis SamarasEPA
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Der türkische Premier plant eine Riesenmoschee am Bosporus und facht Islamisierungängste an. Er persönlich änderte die Baupläne noch einmal ab.

Istanbul/Güs. Sechs Minarette mit einer Höhe von jeweils mehr als 100 Metern, 15.000 Quadratmeter Grundfläche für das Gebäude selbst, eine Gesamtanlage von 250.000 Quadratmetern – in den kommenden Wochen sollen die Bauarbeiten für die größte Moschee der eigentlich säkularen Türkei beginnen. Und zwar nicht irgendwo im Land, sondern in Istanbul, auf einem Hügel über dem Bosporus: Das neue Gotteshaus soll von überall in der Metropole aus zu sehen sein, sagt Premier Recep Tayyip Erdoğan.

Die Türme sollen 7,1 Meter messen – im Gedenken an die Schlacht von Malazgirt, bei der die Seldschuken 1071 die christliche Byzantiner besiegt und damit die Eroberung Anatoliens durch die Türken eingeleitet haben. Erdoğan persönlich änderte die Baupläne noch einmal ab. Die öffentliche Meinung dagegen wurde erst gar nicht konsultiert.

„Symbol der AKP-Regierung“

„In der Türkei gibt es keinen Mangel an Moscheen“, kritisiert Frauenrechtlerin Canan Güllu. Istanbul hat tatsächlich genug große Moscheen: Die Metropole ist Heimat der Blauen Moschee und der Sülemaniye-Moschee, zwei der berühmtesten Gotteshäuser des Osmanen-Reiches. Um die religiösen Bedürfnisse der Istanbuler gehe es bei dem Projekt gar nicht, gibt die AKP offen zu. Das neue Gotteshaus werde ein „Symbol der AKP-Regierung“ sein.

Das sehen auch Erdoğan-Kritiker so. Mehmet Ali Ediboglu, Abgeordneter der oppositionellen CHP, sagt zur „Presse“: „Sie wollen eine Botschaft aussenden: Die Botschaft lautet, dass sie eine islamische Republik errichten wollen.“ Dieser Vorwurf ist so alt wie die AKP-Regierung selbst. Obwohl sie seit ihrem Regierungsantritt vor mehr als zehn Jahren Reformgesetze verabschiedete und auch die Lage der nicht muslimischen Minderheiten verbessert hat, steht die AKP im Verdacht, einem islamistischen Geheimplan zu folgen. Die AKP schere sich nicht um die Meinung ihrer Kritiker, sondern habe nur ihre eigene – überwiegend fromme – Anhängerschaft im Blick, sagt Ediboglu. Frauenrechtlerin Güllü: Mit der Moschee wolle Erdoğan „sich selbst ein Denkmal setzen“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.03.2013)