Journalisten in Honduras: Verfolgt, bedroht, getötet

Journalisten Honduras Dina Meza
Journalisten Honduras Dina Meza(C) Amnesty USA

„Zehn Familien teilen sich den Reichtum unseres Landes auf – wer darüber spricht, setzt sein Leben aufs Spiel“: Die Journalistin Dina Meza aus Honduras über die Lage von Menschenrechten und Medien.

Wenn Dina Meza erzählt, dass sie seit vier Monaten ihre Kinder nicht in die Arme schließen konnte, kommen ihr die Tränen. Auf Einladung von Reporter ohne Grenzen ist die Journalistin derzeit in Wien und spricht von ihrer Heimat Honduras, in die sie schon im Mai zurückkehren will, obwohl das lebensgefährlich ist. „Nur internationale Aufmerksamkeit kann mein Leben schützen“, glaubt und hofft sie (bei ihrer US-russischen Kollegin Anna Politkowskaja ist diese Strategie nicht aufgegangen – sie wurde 2006 in Moskau ermordet). Nachdem die Lage daheim für Meza zu gefährlich wurde, lud sie die Universität York nach England ein.

Nun fährt sie durch Europa, um zu erzählen, wie es ist, wenn man ins Fadenkreuz der Machthaber, Militärs und paramilitärischen Einheiten in Honduras gerät. „Zehn Familien teilen sich den Reichtum unseres Landes auf – und wer darüber spricht, setzt sein Leben aufs Spiel. Journalisten werden eingeschüchtert, bedroht, verfolgt“, erzählt Meza. Seit dem Putsch 2009 seien in Honduras sogar 33Journalisten ermordet worden, in 27Fällen sind die Täter noch immer nicht gefasst. Meza erzählt von vermummten Unbekannten, die in die Räume von freien Radios eindringen. Die Journalistin Andrea Lammers von der Honduras-Journalistendelegation kennt noch andere Fälle: „Ziviler Widerstand wird in Honduras plattgemacht. Alternative Radios bekommen keine Lizenzen, sie werden in die Illegalität gedrängt – und dann kommt die Polizei und beschlagnahmt das Equipment oder schaltet den Strom ab und wieder an, was die Technik nicht aushält.“ Es gebe auch eine „dauerhafte“ Überwachung: „Da folgt einem dann ein Auto ohne Nummernschild.“ Kollegen eines indigenen Senders seien verfolgt worden, dann habe man auf das Auto geschossen: „Die sind der Exekution nur entgangen, weil zufällig andere Autos nachkamen.“

 

Befremden über die Ö1-Berichterstattung

Im November wird in Honduras gewählt. Meza fürchtet, freie Medien könnten deshalb noch stärker unter Druck gesetzt werden. Trotzdem will sie zurück in ihre Heimat: „Ich übe ja nur mein Recht auf freie Meinungsäußerung aus.“ Befremdet zeigte sie sich über die Tatsache, dass der ORF am Sonntag in „Ambiente“ auf Ö1 ein völlig unkritisches Reisefeature über Honduras sendete, sich aber auch auf Nachfrage nicht für die zwei Informationstermine in Wien (die Veranstaltung „Honduras – ein Land im Ausverkauf“ vergangenen Mittwoch und das Treffen mit Meza) interessierte. i.w.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2013)