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Madreiter: "Wiener brauchen kein Privatauto"

Madreiter Wiener brauchen kein
Symbolbild Carsharing(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Planungsdirektor Thomas Madreiter sieht keine Notwendigkeit für private Kfz und Carsharing erst am Anfang. Ein Autoverbot hielte er aber für unangemessen. Ein "Presse"-Interview.

Die Presse: Einer Ihrer Arbeitsschwerpunkte als neuer Planungsdirektor lautet: mehr Partizipation. Bedeutet das mehr Freiraum für die Wiener Bürgerinitiativen?

Thomas Madreiter: Ich habe da einen breiteren Ansatz von Partizipation, es ist mehr als die Einbeziehung von Bürgern. Es geht auch darum, dass die Wirtschaft, Forschungseinrichtungen und Zivilgesellschaftsverbände in die Entwicklung der Stadt eingebunden werden.

 

In Wien sind derzeit viele Bürgerinitiativen aktiv. Gibt es mehr aktive Bürger als früher?

Es gibt zumindest nicht weniger. Man darf nicht vergessen, dass es auch früher viele Diskussionen gab – etwa über die Steinhofgründe, den Sternwartepark etc. Es gibt eben in Wien eine Tradition von artikulationsfähigen Bürgern – und das ist durchaus gut so.

 

In der derzeitigen Diskussion um den Wiener Wohnbau wird oft kritisiert, dass Widmungsverfahren hinausgezögert werden. Schuld seien Bürgerinitiativen, heißt es. Wie sehen Sie das?

Man muss nicht bei jeder kleinen Planung umfangreiche Verfahren starten. Das schulden wir auch der Zeit der Bürger. Wir müssen aber sensible größere Themenstellungen erkennen und dort die Anliegen der Bürgerinitiativen professionell einbinden.

 

Es gibt großen Druck von Bauträgern, dass in Wien mehr gebaut werden soll. Gäbe es dafür überhaupt genügend freie Flächen?

Wir haben in der Hauptstadt einen drastischen Bevölkerungszuwachs, das bedeutet eine stark gestiegene Nachfrage nach Wohnraum. Wünschenswert wäre es, in höchstmöglichem Ausmaß innerhalb der bereits bebauten Wiener Bereiche zu bauen. Wobei es Unsinn wäre, vor allem die Gründerzeitviertel nachzuverdichten – dort ist ja alles schon sehr dicht. Dass wir zudem partiell Stadterweiterung brauchen, ist jedoch unbestritten.

Das heißt, Riesen-Wohnprojekte am Stadtrand wird es weiter geben?

Vom Grundsatz her wird es auch weiterhin Stadterweiterung geben, wobei derzeit kein weiteres Projekt von der Dimension Aspern in der Pipeline ist.

Aspern ist bei den Kritikern bisher nicht sehr gut angekommen.

Ich bin überzeugt, dass sich dieser Stadtteil gut entwickeln wird, weil er mit viel Engagement von allen Beteiligten betrieben wird. Ja, Aspern hat unter gewissen Geburtsproblemen gelitten. Aber jetzt ist die Grundkonzeption abgeschlossen, und es wird sicher ein interessanter Stadtteil.

 

Als weiteren Schwerpunkt Ihrer Arbeit als Planungsdirektor haben Sie die Verwandlung Wiens in eine Smart City genannt. Ist das nur ein Schlagwort oder was heißt es konkret?

Eine Smart City ist eine Stadt, die sich auf den Weg macht, eine postfossile Stadt zu werden. Das heißt, in allen Lebensbereichen der Stadt – von der Stadtplanung, Verkehr bis zur Wirtschaft – umweltschonende Technologien einzusetzen. Wien liegt da jetzt schon sehr gut und verfügt bereits über Technologien, nach denen es in Hinkunft weltweit Nachfrage geben wird.

 

Welchen Platz haben in so einer Stadt die Autos?

Ich möchte nicht mit der Formulierung bekannt werden, dass ich das Auto aus der Stadt hinauswerfen will. Ich sage: In einer Smart City ist der Verkehr grundsätzlich so organisiert, dass ein privater Autobesitz nicht mehr notwendig ist. Und das ist ein großer Unterschied.

Also doch ein Nein zu Autos?

Ein Autoverbot hielte ich für unangemessen. Aber es ist, wie gesagt, zunehmend weniger nötig, in Wien ein eigenes Auto zu besitzen. Der Großteil der Wiener nutzt das Auto zu zehn, maximal zwanzig Prozent der Zeit. Den Rest des Tages steht es herum. Für viele wäre es intelligenter, auf ein Auto nur dann zurückzugreifen, wenn sie es wirklich brauchen.

Mehr Carsharing?

Ja, aber da stecken wir noch total in den Anfängen. Die heutigen Carsharing-Modelle sind wirklich nur der Anfang.

Sie vertreten eigentlich sehr, sehr grüne Ideen.

Meine Ideen sind ganz im Sinne einer modernen Stadtentwicklung.

Zur Person

Thomas Madreiter ist Ende Jänner zum neuen Planungsdirektor der Stadt Wien ernannt worden. Zuvor hat der 45-jährige Raumplaner die MA18 (Stadtentwicklung) geleitet. Der Planungsdirektor ist in der Stadtbaudirektion angesiedelt und untersteht dem Magistratsdirektor. [Schaub-Walzer/PID]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.04.2013)