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Flusskreuzfahrer gestrandet - inmitten der Donau

Flusskreuzfahrer gestrandet inmitten Donau
Flusskreuzfahrer gestrandet inmitten DonauDie Presse (Fabry)
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Zwischen Wien und Klosterneuburg steht eine Anlegestelle unter Wasser. 150 Passagiere der dort vertäuten „Filia Rheni“ sitzen seit Sonntag auf dem Schiff fest.

Klosterneuburg/Wien. Ihren Urlaub auf der Donau haben sich 150 Briten wohl anders vorgestellt – jedenfalls nicht so: Auf ihrem Kreuzfahrtschiff festsitzend tagelang nichts anderes zu sehen als die Hänge des Leopoldsberges und die Verkehrslawinen zwischen Wien und Klosterneuburg.
Seit Sonntag liegt die MS Filia Rheni, ein voll belegtes Viersterne-Flusskreuzfahrtschiff unter niederländischer Flagge, fest vertäut an der Anlegestelle Nussdorf, parallel zur Klosterneuburger Straße. Von Bord können die Passagiere, die eigentlich eine Reise zwischen Wien, Passau und Budapest mit vielen Landgängen für Besichtigungen gebucht hatten, aber nicht mehr: Die Brücke, die von dem Ponton, an dem die Filia Rheni vertäut ist, endet in den Fluten der Donau, die die Relegasse, eine Uferpromenade, überschwemmt haben.

„Vom Hochwasser überrascht“

„Es war einfach zu knapp“, sagt Johannes Rijfers, dessen Reederei im niederländischen Amsterdam das Schiff betreibt. Zu schnell sei das Hochwasser gekommen, zu kurzfristig die Sperre des Flusses durch das österreichische Infrastrukturministerium verkündet worden: Als die Filia Rheni pflichtgemäß die nächste freie Anlegestelle ansteuerte – den Brandner-Ponton bei Nussdorf – stand der Zugang dazu schon unter Wasser. Im Gegensatz zu anderen angelegten Kreuzfahrtschiffen (etwa jenen rund 20, die unter der Reichsbrücke vor Anker liegen), die nur mit einigen wenigen Crewmitgliedern bemannt sind, während die Passagiere ihre Reisen mit Bussen fortgesetzt haben, sitzen jene der Filia Rheni seither auf dem Schiff fest.
Am Mittwochnachmittag sind an Deck einige Passagiere zu sehen, die sich gelangweilt die Beine vertreten, zwei ältere Herren bemühen das Plastikschachspiel am Dach des Schiffes; einige Passagiere winken Passanten zu. „Die Atmosphäre ist überraschend gut“, sagt Rijfers, der in ständigem Kontakt mit der 35 Mann starken Besatzung auf dem Schiff steht: „Die Leute akzeptieren halt, dass man momentan nichts anderes machen kann – sie genießen aber unser ausgezeichnetes Essen an Bord.“

Die Feuerwehr versorge das Schiff per Motorboot mit Proviant, auch ein Arzt sei so bereits an Bord gewesen, sagt Rijfers. Theoretisch  wäre auch möglich, das Schiff auf diesem Wege zu evakuieren, aber angesichts der kräftigen Strömung wäre das ein beträchtliches Sicherheitsrisiko – während der Verbleib auf der Filia Rheni zwar langweilig, aber sicher sei.

Wenn die Wasserstände mitspielen, sollte es am Freitag möglich sein, die Passagiere mit Unterstützung der Feuerwehr über Hilfsbrücken vom Schiff zu bringen – der Rest ihrer Reise fällt aber wohl jedenfalls ins Wasser.

("Die Presse" Printausgabe vom 6.6.2013)