Banken: Milliardenstreit in Kroatien

Banken Milliardenstreit Kroatien
Banken Milliardenstreit Kroatien(c) Wirtschaftsblatt

Ein Gericht in Zagreb hat acht Banken, darunter österreichische Institute, wegen Krediten in Schweizer Franken verurteilt. Dabei soll es um einen Milliardenbetrag gehen.

Wien. Nicht nur in Österreich, sondern auch in Osteuropa haben viele Banken Kredite in Schweizer Franken vergeben. In Ungarn mussten die Institute deswegen hohe Verluste in Kauf nehmen. Denn die Regierung in Budapest beschloss ein Gesetz, wonach Privatpersonen ihre Fremdwährungskredite zu einem günstigeren Kurs in die Lokalwährung Forint umtauschen konnten. Die Kosten dafür mussten die Banken tragen.

Wegen dieser und anderer Maßnahmen sind auch viele österreichische Banken in Ungarn tief in die roten Zahlen gerutscht. Die Erste Bank setzte 2011 und 2012 in Ungarn in Summe 621 Millionen Euro in den Sand. Bei Raiffeisen lag das Minus bei über 400 Millionen Euro.

 

„Kollektive Interessen“ verletzt

Nun haben die Institute Probleme in Kroatien. Das Handelsgericht in Zagreb verurteilte am Donnerstag acht kroatische Banken in erster Instanz wegen der Vergabe von Fremdwährungskrediten.

Betroffen sind viele österreichische Institute wie die Bank-Austria-Tochter Zagrebačka Banka, Raiffeisen, die kroatische Erste-Bank-Tochter und die Hypo Alpe Adria. Österreichs Banken sind in Kroatien eine Großmacht. Die Bank Austria kommt dort auf einen Marktanteil von 25 Prozent, die Erste Bank auf 15 Prozent, Raiffeisen auf zehn Prozent und die Hypo auf acht Prozent. Gegen die Geldhäuser ging eine Verbraucherschutzorganisation vor. Diese brachte eine Art Sammelklage ein.

Laut dem Urteil des Handelsgerichts sollen die Banken bei der Vergabe von Fremdwährungskrediten „kollektive Interessen“ verletzt haben. Sie sollen die Kunden nicht zur Gänze über alle Risken aufgeklärt haben. Die Institute sollen damit das Konsumentenschutzgesetz verletzt haben.

Nach dem Urteil setzte die Börse in Zagreb den Handel mit Aktien der Bank-Austria-Tochter Zagrebačka Banka und einer anderen Bank aus. Auch mit Anleihen der Erste-Bank-Tochter konnte vorübergehend nicht gehandelt werden. Die Börse begründete die Maßnahme damit, dass die Entscheidung des Gerichts die Wertpapiere beeinflussen könnte.

Die Konsumentenschützer, die die Klage eingebracht haben, sprechen von einem „Durchbruch“. Um eine Entschädigung zu bekommen, müssen nun alle Kreditnehmer individuell gegen die Banken vorgehen. In Kroatien gibt es rund 100.000 Kunden, die Darlehen in Schweizer Franken aufgenommen haben. Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise erhöhten sich die Rückzahlungsraten deutlich – zwischen 30 und 100Prozent. Das können sich viele Kreditnehmer nicht mehr leisten.

Klagen nun tatsächlich alle betroffenen Kunden, könnte dies die Banken in Summe 2,4 Milliarden Euro kosten, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg. Das jetzige Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig.

 

Banken bestreiten die Vorwürfe

Die meisten Banken wie die Bank Austria, die Hypo und Raiffeisen kündigten an, dass sie dagegen berufen werden. Sie weisen alle Vorwürfe zurück und betonen, man habe die Kunden sehr wohl über alle Risken informiert. „Im Vergleich zu unserem Marktanteil sind wir bei Fremdwährungskrediten deutlich unterrepräsentiert“, heißt es bei der Bank Austria.

Die kroatische Notenbank warnte schon vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise vor Krediten in Schweizer Franken. Vertreter der Notenbank verglichen solche Geschäfte mit Wetten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.07.2013)