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Rettet die Diskussionskultur!

Rettet Diskussionskultur
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Gastkommentar: Das Dilemma der Online-Poster. Die derzeitige Online-Diskussionskultur ist einfach nur ermüdend und einseitig geworden.

Einfach mal auf die EU, Sozialdemokraten, Gutmenschen oder irgendwie Andersdenkende schimpfen: Das scheint der allgemeine Tenor in Online-Diskussionsforen diverser Zeitungen zu sein. Die Kritik aber mit irgendwelchen Argumenten oder Thesen begründen? Das ist out: Vielmehr überwiegen simple Einzeiler ohne jedwede Begründung wie „Raus aus der EUdssR“.

Doch warum gelingt es Zeitungen und Usern online nicht eine Diskussionskultur zu etablieren? Denn die Kritik an undemokratischen Vorgängen in der EU, dem ewigen Gejammer der "Gutmenschen" und vielen anderen Themen: Die ist ja legitim! Jeder sollte seine Meinung haben dürfen, sei sie nun links oder rechts- solange sie nicht rassistisch und herabwürdigend ist. Aber die immer selbe Phrasendrescherei, die unbegründeten Anschuldigungen und oft in sehr mangelhaftem Deutsch formulierten Einzeiler sind mittlerweile nur noch eines: Fad.

Oft frage ich mich: Ist es die Anonymität des Internets, die Menschen animiert solche stupide Aussagen abzugeben? Denn das Risiko, seinen Ruf zu verspielen, weil man nur Stumpfsinn von sich gibt, das gibt es im Internet leider nicht. „Offline“ versucht man ja, seine Position mit Argumenten zu untermauern, um seinen Diskussionspartner zu überzeugen. Es macht Spaß, mit anderen über eine Sache leidenschaftlich und fundiert zu reden.

Verschiedene Meinungen machen ein Thema erst wirklich interessant. Aber auch diese Diversität vermisst man in den Online-Diskussionen. Alle Poster scheinen nur an einem Strang zu ziehen- so im Forum der Presse: Ausländer, EU böse. Ziemlich simpel und auch ziemlich schade. Manche Schreiberlinge machen sich nicht mal mehr die Mühe einen Text zu lesen: Sobald sie in der Schlagzeile das Wort EU oder Türke sehen, fühlen sie schon ein Zucken in den Fingern.

Die derzeitige Online-Diskussionskultur ist einfach nur ermüdend und einseitig geworden. Kann man das irgendwie ändern? Vermutlich schwer, aber man könnte die Situation zumindest verbessern. Besonders gut formulierte und begründete Postings- wenn man denn welche findet- sollten hervorgehoben werden: Egal ob sie dem Artikel widersprechen oder zustimmen. Außerdem könnten Redakteure auf ebensolche Posts antworten und simple, beleidigende Kommentare einfach ignorieren. Das würde die ewige Phrasendrescherei zumindest reduzieren. Und vielleicht wird es eines Tages sogar möglich sein, dass Onlinediskussionen nicht mehr nur ein Rezept gegen Schlaflosigkeit darstellen.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

Auf einen Blick

Daniel Bischof ist 21 Jahre alt, begeisterter Poster in Online-Foren und studiert Rechtswissenschaften an der Universität Wien.