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Amors Pfeil trifft eben immer ins Schwarze

Amors Pfeil trifft eben
(c) Oper donauFESTWOCHEN / Reinhard Winkler
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Donaufestwochen im Strudengau: "Amor und der Sieg über der Liebe größtes Hindernis" von Sebastián Dúron, ein bezaubernd-mitreißendes spanisches Barockjuwel zwischen Zarzuela und italienischer Oper.

Vom Himmel regnendes Gold wäre als Mittel zur Problemlösung praktisch überall gern gesehen. Im Arkadenhof von Schloss Greinburg lässt der ersehnte Vorgang derzeit aber nicht nur ein berühmtes Paar der griechischen Mythologie zusammenkommen, nämlich Danae und Zeus, sondern er löst auch den strengen Fluch der eifersüchtigen Gattin Juno.

Weil die Macht des Geldes hier, so eine gängige Interpretation, alle Barrieren überwindet, ob versperrte Türen oder Herzen, wurde Danae schon als Archetypus der Prostituierten bezeichnet. Bei der diesjährigen Opernproduktion der wieder mit reichem Programm aufwartenden Donaufestwochen im Strudengau aber bleibt, bei allem Augenzwinkern, doch die hehre Liebe das entscheidende Movens der Figuren: „El imposibile mayor en amor le vence Amor“ („Amor und der Sieg über der Liebe größtes Hindernis“) heißt das 303 Jahre alte Kleinod aus dem spanischen Barock, das nach seiner Wiederentdeckung in einer portugiesischen Bibliothek nun erstmals in moderner Zeit zu erleben ist.

Der spanische Komponist Sebastián Dúron (1660–1716) verquickt darin die etablierte Form der Zarzuela mit auffrischenden Einflüssen der italienischen Oper: Das ergibt eine hinreißende Mischung aus rituell anmutenden Nummern mit obstinaten Bässen, über denen sich die Instrumentalstimmen immer prächtiger entfalten, aus der Verve spanischer Tanzformen, den genreüblichen Dialogen und der stimmungsvoll-melodiösen Ausdruckswelt umfangreicher Arien und Rezitative, die souverän eingliedert sind.

Zündendes Ensemble, erfreuliche Sänger

Schon 2011 hatte Dúrons „Guerra de los Gigantes“ in Grein Furore gemacht; eine Studioproduktion des Einakters ist mittlerweile auf CD erschienen (Pan Classics). Damals wie heute bildet das Spezialistenensemble „A Corte Musical“ unter Rogério Gonçalves die ebenso stilkundige wie zündende musikalische Basis: Im von Akustik und Ambiente her wunderbaren Arkadenhof kommen lautmalerischer Feinsinn, Eleganz und Elan ebenso gut zur Geltung wie die erfreuliche Sängerbesetzung.

Amor ist hier ein koboldhafter Kuppler, dem Eva Juárez mit exquisitem Vortrag zart spöttischen Humor verleiht. Sein Pfeil trifft eben immer ins Schwarze und seine Macht bezwingt sogar den Göttervater: Maria Weiss steigert sich als in Liebesnöte gebrachter Júpiter zu träumerisch-schönen Schmerzenstönen – ein Seelengefängnis, aus dem ihn nur Dánae befreien kann, die wiederum er aus realer Haft befreit. Lidia Vinyes Curtis erfüllt die Partie mit fast ebenso viel bewegender Intensität und noblem Klang wie Alice Borciani jene der zürnenden Juno. Regisseurin Manuela Kloibmüller gönnt ihr Trost angesichts des zuletzt unverblümt gefeierten neuen Paars Júpiter/Dánae – mit dem Soldaten Lisidante (Markus Schmidt).

Es sind wieder einfache, aber überzeugende Mittel, die in Grein den szenischen Rahmen bilden (Bühne, Kostüme: Isabella Reder), wenn auch manchmal ein klareres Profil der ernsten und komischen Elemente nicht geschadet hätte. Doch sogar die spanischen Dialoge ließen die Spannung nicht abfallen: Das Publikum jubelte herzlich.
9.–11.8., 18h. Karten: 07268/268 57

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2013)