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Eher friert die Hölle zu

Die Deutschen werden die Inflation nicht lieben lernen. Warum sollten sie auch?

Normale Erdenbürger würden sich in der elitären Welt der Notenbanker nicht sonderlich gut zurechtfinden. Auch deshalb bleiben die sogenannten Währungshüter gern unter sich – und lassen sich auch von Politikern nur ungern ins Handwerk pfuschen. Umso überraschender ist es, wenn die wichtigste Notenbank der Welt (die Federal Reserve) gegen die zweitwichtigste (die EZB) schießt. Und das in aller Öffentlichkeit.

Sie werden doch nicht etwa nervös werden, die Herren und Damen Währungshüter? Wir wollen es jedenfalls nicht hoffen, denn entsprechend dem allgemein akzeptierten Narrativ bilden sie die „last line of defence“ gegenüber der unberechenbaren Welt der allzu freien Märkte.

Die Deutschen sollen sich entspannen, heißt es aus der Fed. Und die Inflation lieben lernen. Hintergrund: Wenn die EZB auch alle Hemmungen fallen lässt – und Geld im Überfluss druckt – dann erleichtert das das Leben des Dollars, denkt sich die Fed.

Aber bevor die Deutschen sich mit der Inflation anfreunden, friert eher die Hölle zu und geht die Sonne im Westen auf. Denn die Tatsache, dass die EZB die Inflation unter Kontrolle hat, ist ein wichtiges Argument für Berliner Politiker, die um die Unterstützung der Wählerschaft buhlen. Der Euro wird eine D-Mark für Europa sein. Das war das Versprechen. Warum sollten Deutschland und die EZB dieses Ziel aufgeben – jetzt, da es trotz Europa-Krise greifbar scheint?

 

nikolaus.jilch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2013)