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Walesa will Deutschland und Polen vereinigen

Former Polish President Lech Walesa poses during a red carpet event for the movie 'Walesa. Man of Hope', directed by Andrzej Wajda, during the 70th Venice Film Festival in Venice
Polens Ex-Präsident Lech Walesa macht wieder von sich redenREUTERS
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Der Friedensnobelpreisträger und legendäre polnische Arbeiterführer will einen Schlussstrich unter die Vergangenheit ziehen und plädiert für ein Einreißen der Grenzen zwischen den beiden Staaten.

Polens ehemaliger Präsident Lech Walesa war schon immer für unkonventionelle Wortspenden bekannt: Nun will er die Grenzen zwischen Deutschland und Polen, nein, nicht neu ziehen, sondern überhaupt einreißen, und zwar für immer. Man müsse die Kooperation im Wirtschafts- und im Verteidigungsbereich und in anderen Feldern ausbauen, um letztlich "aus Polen und Deutschland einen Staat in Europa zu machen", zitierten die russische Agentur Itar-Tass und der britische "Telegraph" den Friedensnobelpreisträger.

Grenzen wären heute nicht mehr so wichtig, meinte Walesa, der als Arbeiterführer in den 80er-Jahren mit seiner Gewerkschaft Solidarnosc maßgeblich am Ende des kommunistischen Regimes in Polen beteiligt war: "Der technische Fortschritt ist heute so weit gediehen, dass wir nicht länger in unseren eigenen Ländern verortet sind", sagte Walesa. Dies müsste sich dann eben auch in den geographischen Strukturen abbilden: "Schritt für Schritt wird sich alles miteinander verbinden, und Staaten werden zu einer Art Lego-Steine werden."

Erinnerung an Nazi-Greuel noch frisch

In Polen dürften die jüngste Ideen Walesas, der von 1990 bis 1995 als Staatspräsident amtierte, auf wenig Begeisterung fallen. Hier ist die Erinnerung an die auf polnischem Boden begangenen Nazi-Greuel noch zu frisch. Es hatte schon für großes Aufsehen gesorgt, als Außenminister Radek Sikorski vor zwei Jahren eine Führungsrolle Deutschlands in der Euro-Krise eingemahnt hatte:  "Ich bin wahrscheinlich der erste polnische Außenminister in der Geschichte, der das sagt: Ich habe weniger Angst vor deutscher Macht, als ich anfange, mich vor deutscher Inaktivität zu fürchten".

Der prononcierte Pro-Europäer Walesa, der sich auch schon mal als Präsident künftiger "Vereinigter Staaten von Europa sah" plädierte nun dafür die Geschichte Geschichte sein zu lassen: Nach dem Zweiten Weltkrieg habe sich Deutschland zu seinen Schandtaten bekannt: "Es ist nötig, einen Schlussstrich unter die Vergangeheit zu ziehen, auch wenn die Menschen etwas Böses getan haben. Ansonsten werden die Wunden nicht heilen."

(hd)