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Fall Madoff: Bankerin siegt vor Gericht

USA CRIME BANKING MADOFF
USA CRIME BANKING MADOFFEPA
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Für das Londoner Gericht ist die Medici-Bankerin Kohn Opfer, nicht Täterin. Dank dieses Urteils kann Sonja Kohn auch wieder über ihr Vermögen verfügen.

London. Die Causa Madoff ging als einer der größten Betrugsfälle der Finanzwelt in die Geschichte ein. Bernie Madoff wurde 2009 in den USA zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt, er soll Anleger um 65 Milliarden Euro geprellt haben. Noch immer wird an vielen Orten prozessiert. Dieser Tage etwa in London. Dort stand Madoffs frühere Geschäftspartnerin Sonja Kohn vor Gericht. Als frühere Chefin der Wiener Medici-Bank und ehemalige Partnerin der Bank Austria soll sie Teil des Systems Madoff gewesen sein. So sieht es zumindest Madoff-Masseverwalter Irving Picard. Er hatte Kohn auf 60 Millionen Dollar geklagt – und blitzte damit vor Gericht ab.

Die Londoner Richter attestierten sogar, dass die Zahlungen von Madoff an Kohn „nichts anderes als eine angemessene Entlohnung für die von ihr rechtmäßig erbrachten Leistungen“ gewesen seien, zitiert ihr Anwalt Clemens Trauttenberg aus dem Urteilsspruch. Kohn habe keinen Grund gehabt zu vermuten, dass die Vermögensverwaltung Madoff ein betrügerisches System war, urteilte das Gericht.

Für seine Mandantin sei es „eine gewisse Genugtuung, dass Gerichte nicht mit Vorurteilen agieren, sondern nach genauer Analyse des Sachverhalts zu einem wohlfundierten Urteil kommen“, sagte Anwalt Trauttenberg. Dank dieses Urteils kann Sonja Kohn auch wieder über ihr Vermögen verfügen. Denn dieses war weltweit eingefroren worden. Am Donnerstag wurde es vom Gericht freigegeben. Kritik übte der Richter hingegen an den öffentlichen Angriffen des Masseverwalters auf Kohn, die er einst als „kriminelle Seelenverwandte“ von Madoff bezeichnet hatte.

Das Urteil, so hofft Trauttenberg, könnte nun auch wegweisend für andere Verfahren sein. Eines davon läuft in Österreich. Seit vier Jahren ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Kohn wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs. In Österreich investierten Anleger einige Millionen Euro in die Fonds Primero und Herald.

Auch in den USA ist Kohn mit einer Klage konfrontiert. Die Bankerin soll für Bernard Madoff im Laufe der Jahre insgesamt mehr als neun Milliarden Dollar eingesammelt haben. (APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2013)