Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Wege in den Weinberg

Dem Wein ist so mancher nicht abgeneigt. Einige interessieren sich nicht nur für das Endprodukt, sondern auch für seine Entstehung und wollen Winzer werden – oft nach oder neben der eigentlichen Karriere.

Ein Beruf, der offensichtlich so attraktiv ist, dass sogar Menschen, die es in ihrer ersten Laufbahn hochdekoriert zu Wohlstand gebracht haben, diesen aus reiner Freude an der Tätigkeit erlernen wollen, darf wohl als Traumberuf bezeichnet werden. So wie der des Winzers. Von deutschen Industriellen bis zu Hollywood-Schauspielern reicht die Liste derer, die nach oder neben der eigentlichen Karriere auch noch im Weinbau nach Wissen und Erfolg streben; erst im Vorjahr gewannen die Neuwinzer Brad Pitt und Angelina Jolie mit ihrem Château Miraval Rosé 2012 den Preis des besten Rosés der Welt. Wobei natürlich bezweifelt werden darf, dass die Herrschaften sich bei der Lese besonders hervorgetan haben, und auch die Hilfe eines Kellermeisters dürfte ihnen wohl zur Verfügung gestanden sein.

 

Akademisch oder traditionell?

Wer es in Österreich ganz solide zum Winzer bringen möchte, kann grundsätzlich zwei Wege einschlagen: Einerseits bieten die österreichischen Weinbauschulen neben der dreijährigen Ausbildung zum Facharbeiter für Weinbau und Kellerwirtschaft auch die Meisterausbildung zum Kellermeister an. Das akademische Angebot andererseits umfasst in Österreich derzeit ein sechssemestriges Bachelorstudium an der Universität für Bodenkultur; ein Masterstudiengang soll es kommendes Jahr ersetzen. Alternativ kann man an der Fachhochschule Burgenland den Master Internationales Weinmarketing absolvieren.

Wer sich für den traditionellen Weg der Ausbildung entscheidet, kann an einer der österreichischen Weinbauschulen, wie – allen voran – der Höheren Bundeslehranstalt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg, der Weinbauschule Krems, der Weinbauschule Silberberg in Leibnitz oder der Weinbauschule Eisenstadt das klassische Handwerk erlernen. Hier wird in mehreren Modulen zunächst das Basiswissen zu Themen wie Weinbau, Kellerwirtschaft und Landtechnik vermittelt, das die Absolventen befähigt, in Weinbaubetrieben selbstständig mitzuarbeiten, wie Dieter Faltl, Direktor der Weinbauschule Krems, am Beispiel seiner Schule erklärt. Im dritten Jahrgang stehen zwölf Monate Pflichtpraktika bei Winzern im In- und Ausland auf dem Programm, ehe die Facharbeiterprüfung abgelegt wird.

 

Ohne eigenes Gut auf Jobmarkt besser

„Nach dieser Ausbildung sind die Absolventen in der Lage, einen Betrieb zu übernehmen“, so Faltl. Und das planen viele seiner Schüler auch: Der Großteil stammt aus Winzerfamilien und bereitet sich hier auf die Übernahme des elterlichen Unternehmens vor. Auf dem Markt nachgefragt sind die Absolventen aber auch ohne Weingarten in der Familie. „Oft werden gerade diese Fachkräfte gesucht“, weiß Faltl, „denn etliche Winzer suchen qualifizierte Leute, die nicht nach zehn Jahren – wenn sie wirklich ihr Können perfektioniert haben – wieder gehen, um den elterlichen Betrieb zu übernehmen.“ Ein Schritt zu eben dieser Perfektionierung kann dann auch der viermonatige Lehrgang zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung sein, in dem vom Führungswissen über Marketingkenntnisse bis zur Buchhaltungskompetenz vermittelt wird, was zur Leitung eines eigenen Weinbauunternehmens gehört.

Wer statt des Kellermeister-Titels akademische Weihen anstrebt, kann seit 2004 auf der Boku seinen Bachelor in Weinbau, Önologie und Weinwirtschaft erwerben. Innerhalb des sechssemestrigen Studiengangs beschäftigen sich die Studierenden hier mit Themen von der Rebenphysiologie bis zur Weinbaupolitik und absolvieren Praktika im In- und Ausland. Ab dem kommenden Jahr soll es aber statt des Bachelors einen neuen Masterstudiengang geben, wie Institutsleiterin Astrid Forneck erklärt: „Die Entscheidung liegt derzeit bei den Gremien, aber wir hoffen, schon im nächsten Jahr einen Masterstudiengang als Joint Degree in Kooperation mit der Hochschule Geisenheim anbieten zu können.“ Geplant sei, eine breite Bachelorausbildung in Agrarwissenschaften und dann ein sehr spezielles Masterstudium in Weinbau, Ökologie und Weinwirtschaft anzubieten. Vor allem von der Kooperation mit der renommierten deutschen Hochschule Geisenheim verspricht sich Forneck viel: „Damit haben wir die Möglichkeit, das Personal von zwei Hochschulen zu bündeln, und Themen von der Weinlogistik über Wein-IT bis hin zum Weinbautourismus mit Landschafts- und Naturschutz im Hörsaal zu haben.“

Bereits als Masterstudiengang angeboten wird die Internationale Weinwirtschaft an der Fachhochschule Burgenland. Die Studieninhalte reichen hier von den Grundlagen der Weinverkostung über die Praxis des Weinmarketings bis zu den Rahmenbedingungen der internationalem Weinwirtschaft. Studiert werden kann hier berufsbegleitend, Projektpraxis und Exkursionen in internationale Weinbaugebiete inklusive.

 

Für Quereinsteiger und Spätberufene

Und für Quereinsteiger? Auch für sie gibt es in Österreich Möglichkeiten: So bietet die Weinbauschule Krems einen einjährigen Weinmanagement-Lehrgang an, in dem Kompetenzen vom der Weintechnologie bis zu fachorientierten Fremdsprachen vermittelt werden. Teilnehmer dieses Lehrgangs sind vor allem Sommeliers, Gastronomen und Quereinsteiger. Weit über die Grenzen der Alpenrepublik hinaus sind aber mittlerweile die Ausbildungen der Weinakademie Österreich bekannt: Hier können Quereinsteiger aus allen Bereichen Weiterbildungsmöglichkeiten bis hin zum Erwerb des Wein-Diplomas in Anspruch nehmen. Ein international bekannter Abschluss, den vielleicht auch die Jolie-Pitts einmal wohlwollend in Erwägung ziehen könnten, so sie es in ihren Winzerkarrieren noch weiterbringen wollen. (SMA)

AUSBILDUNGEN

Weinbauschulen:

•HTL für Wein und Obstbau, www.weinobstklosterneuburg.at.

•Weinbauschule Krems, www.wbs-krems.at

•Landwirtschaftliche Fachschule Eisenstadt,

www.weinbauschule.at

•Weinbauschule Silberberg, www.silberberg.at

Lehrgänge an Hochschulen:

•Boku Wien, derzeit Bachelorstudium, Umstellung auf Masterstudium gemeinsam mit Hochschule Geisenheim geplant.

•FH Burgenland: MA Internationales Weinmarketing

Weitere Ausbildungen:

•Weinakademie Österreich: diverse Lehrgänge vom Kurzkurs bis zum „Master of Wine“,

www.weinakademie

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.03.2014)