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Ab 2015 wird es für Volksbanken wieder kritisch

Die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) verbuchte im Vorjahr einen Verlust von 224 Millionen Euro. Laut Geschäftsbericht wird der Volksbanken-Verbund im nächsten Jahr eine Eigenmittelunterdeckung aufweisen.

Wien. Das Volksbanken-Spitzeninstitut ÖVAG hat im Vorjahr einen Verlust von 224 Millionen Euro verbucht, auf Konzernebene lag das Minus bei 100 Millionen Euro. Kritisch könnte es im nächsten Jahr werden. Im ÖVAG-Geschäftsbericht heißt es unter dem Punkt „Wesentliche Risiken und Ungewissheiten“, dass die aktuelle Mittelfristplanung im Jahr 2015 eine Eigenmittelunterdeckung im Volksbanken-Verbund zeige. Denn die Finanzaufsicht fordert, dass die Volksbanken zur Abdeckung aller Risken auf eine Eigenmittelquote von 13,6Prozent kommen müssen. Derzeit liegen sie mit 14,6Prozent darüber.

Doch aufgrund der strengeren Eigenkapitalvorschriften (Stichwort BaselIII) und anderen Maßnahmen werde die Quote ab dem Jahr 2015 „deutlich sinken“, steht im Geschäftsbericht. Wie die Volksbanken dann ab 2015 eine Kapitallücke füllen, ist unklar. ÖVAG-Chef Stephan Koren sagte, sein Ziel sei es, den Volksbanken-Verbund ohne neuerliche Belastung der Steuerzahler langfristig zukunftssicher zu machen.

 

„Kein Nervenzusammenbruch“

Die ÖVAG musste im Frühjahr 2012 mit der Teilverstaatlichung vor der Pleite gerettet werden. Inklusive Garantien erhielt die Bank 1,35 Milliarden Euro an staatlichen Hilfen. In der Vorwoche warnte die Ratingagentur Moody's Anleger, Wertpapiere der ÖVAG zu kaufen. Das Rating der Bank wurde auf Ramschstatus herabgestuft.

Finanzminister Michael Spindelegger (ÖVP) betonte mehrmals, dass die ÖVAG kein Geld mehr vom Steuerzahler erhalten werde. Denn der Bund habe mit der Hypo Alpe Adria schon genug Probleme. ÖVAG-Chef Koren zeigte sich am Donnerstag trotzdem gelassen. Er stehe nicht unmittelbar vor einem Nervenzusammenbruch, meinte der Banker.

Laut Regierungskreisen müssen bei einem weiteren Kapitalbedarf die ÖVAG-Haupteigentümer, die Volksbanken in den Bundesländern, einspringen. Doch das wird nicht einfach werden. Denn die Bundesländer-Volksbanken bilden mit der ÖVAG mittlerweile einen Verbund. Und genau dieser Verbund soll laut Geschäftsbericht im nächsten Jahr die Eigenmittelunterdeckung aufweisen.

Koren hält es aber für möglich, dass die regionalen Volksbanken Nachrang-Anleihen verkaufen. Solche Papiere beinhalten aber entsprechende Risken. Denn nachrangige Anleihen sind Schuldverschreibungen, für die Banken und Unternehmen mit ihrem Kapitalvermögen einstehen. Bei diesen Anleihen verzichten die Inhaber darauf, im Insolvenzfall als vorrangige Gläubiger behandelt zu werden. Dafür bekommen sie höhere Zinsen. Bei der ÖVAG gibt es einige Unsicherheiten. Die Tochter in Rumänien erwirtschaftete ein Minus von 103,6 Millionen Euro und sitzt auf faulen Krediten von hunderten Millionen Euro. Die aushaftenden Refinanzierungen der ÖVAG gegenüber der Rumänien-Tochter lagen zuletzt bei 800 Millionen Euro.

Trotzdem geht Koren davon aus, dass die Volksbanken in Österreich überleben werden. Dazu sollen der Umbau und der Sparkurs verschärft werden. Derzeit gibt es in Österreich 48 regionale Volksbanken. Durch Fusionen sollen nur noch neun Volksbanken übrig bleiben. Koren erwartet, dass die ÖVAG den EZB-Bilanzcheck bestehen wird. Die Frage, was passiert, wenn die Bank trotzdem durchfällt, beantwortete er nicht.

Die Volksbanken betreuen in Österreich in rund 500 Filialen über 900.000 Privatkunden und 80.000 Firmenkunden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.04.2014)