Geschichtelehrer: Zahlen und Fakten rücken aus dem Fokus

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Kritischer Umgang mit Fremdenfeindlichkeit und Rassismus stehen nur sehr selten als explizite Ziele in den Studienplänen

Wien. Es gibt klare Erwartungen an Geschichtelehrer: Sie sollten den Schülern Orientierung bieten, was Politik und Gesellschaft betrifft. Das Problem dabei: Die Pädagogen werden darauf in der Ausbildung kaum vorbereitet. Das zeigt eine Studie, bei der unter der Führung der Uni Wien von 2009 bis 2012 die Studienpläne in 33 Ländern untersucht wurden.

Es sei zwar erfreulich, dass der Fokus der Ausbildung nicht mehr so stark auf Zahlen, Daten und Fakten liege, so der Geschichtsdidaktiker Alois Ecker von der Uni Wien. Ebenso, dass zahlreiche Studiengänge in Europa die Stärkung eines kritischen Geschichtsbewusstseins sowie die Analyse historischer Narrative ins Zentrum rücken. Es gebe aber noch großen Aufholbedarf.

So stehen der kritische Umgang mit Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sowie das Lernen über kulturelle und sprachliche Vielfalt nur sehr selten als explizite Ziele in den Studienplänen der angehenden Geschichtelehrer. Auch Sensibilität für Diversität und Menschenrechte würde vielfach keine Rolle spielen.

Laut der Studie wird es in der Lehrerausbildung außerdem verabsäumt, die Lehrer dazu zu ermutigen, im Unterricht nicht nur Konflikte zu analysieren, sondern auch Konfliktlösungen zu erarbeiten.

 

Nationale Identität vorrangig

Generell finden immer mehr europäische und globalgeschichtliche Perspektiven Eingang in die Schul-Curricula. Und zwar auch wenn das Schulfach Geschichte – vor allem in den neuen Staaten in Südosteuropa – noch immer vorrangig dem Aufbau nationaler Identität diene.

Laut der Erhebung sind in den Curricula zwischen 25 und 30 Prozent der nationalen Geschichte gewidmet, in Österreich sind es rund 20 Prozent. (APA)