Didaktik

Kinder für ein Morgen voller Fragezeichen rüsten

Lehrkräfte können ihren Schülerinnen und Schülern dabei helfen, Strategien zur Bewältigung einer unsicheren Zukunft im Zeichen des Klimawandels zu erarbeiten.
Lehrkräfte können ihren Schülerinnen und Schülern dabei helfen, Strategien zur Bewältigung einer unsicheren Zukunft im Zeichen des Klimawandels zu erarbeiten.Clemens Fabry
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Wie kann es gelingen, dass Schülerinnen und Schüler kreative Lösungen und positive Bilder unserer Zukunft mitverantwortlich entwickeln? Ein Sammelband widmet sich Inhalten, Methoden und Didaktikkonzepten.

Es ist ein geflügeltes Wort: Die Schule muss die Kinder von heute auf die Welt von morgen vorbereiten. Dem stimmt der Religionspädagoge Erwin Rauscher nicht zu. Er ist seit 2006 (Gründungs-)Rektor der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich (PH-NÖ) und Mitherausgeber des neuen Sammelbandes „Futures Literacy. Zukunft lernen und lehren“, der sich aus verschiedenen didaktischen Perspektiven damit auseinandersetzt, wie Zukunftsgestaltungskompetenz an Schulen gelingen kann. „Die Zukunft kommt nicht von selbst“, betont er. „Sie wird von Menschen erzeugt. Und deshalb ist es Aufgabe der Schule und Meta-Aufgabe ihrer Führungspersonen, die jungen Menschen zu befähigen, ihre Zukunft zu gestalten.“

Kreativ die Zukunft ausloten

Die Kulturpädagogin Heidelinde Balzarek (PH-NÖ, Universität für angewandte Kunst Wien) und die Erziehungswissenschaftlerin Katinka Szabó-Szettele (Eötvös-József-Hochschule, Ungarn) widmen sich in ihrem Beitrag kreativen und künstlerischen Lehr- und Lernmethoden sowie deren Potenzial für „Futures Literacy“. Zukünfte könnten sowohl mit Worten und Texten als auch mittels Körpersprache, Bildern und Musik erzählt werden. Kreativität helfe, Denkmuster und Gewohnheiten zu hinterfragen und aufzubrechen. „Die Gegenwart ist fassbar und real, die Zukunft hingegen bleibt ungewiss“, schreiben die Forscherinnen. „Einerseits wirkt sie verunsichernd, andererseits eröffnen sich ungeahnte Weiten von gedanklichen Räumen, die durch Vorstellung und Fantasie bereichert werden können.“ Die Kreativität als Schlüsselkompetenz lasse diese real werden, sei Motor des ästhetisch-künstlerischen Forschens.

»Der Gegenwart zu vertrauen, ist, auf die Zukunft zu hoffen. Bildung ist der Speicher, um sie zu gestalten.«

Erwin Rauscher

Religionspädagoge, Rektor PH-NÖ

Allerdings: Es besteht eine weitverbreitete Vorstellung unter Lehrerinnen und Lehrern, dass Kreativität einfach nur Spaß macht und keine Anstrengung oder Vorkenntnis erfordert, sodass sie „mit dem eher als intellektuell angesehenen Prozess des Lernens unvereinbar“ sei. Auch die Überzeugung, dass Kreativität eine angeborene Fähigkeit ist, bestehe als Barriere für deren Entwicklung, bedauern Balzarek und Szabó-Szettele.

Dabei können Lehrkräfte das Kreativitätspotenzial ihrer Schülerinnen und Schüler unkompliziert fördern, indem sie freies Spiel unterstützen und Fragen stellen, die sachbezogenes Fantasieren ermöglichen und die Neugier wecken. Als Techniken empfehlen die beiden: nach Analogien und Metaphern suchen, etwas ins Gegenteil verkehren, Ideen systematisch befragen, analysieren und verändern. „Im Rahmen einer kreativen Pädagogik sollte man die Kinder sensibel für Stimuli aus der Umwelt machen bzw. ihre Toleranz und Akzeptanz für neue, überraschende Gedanken und Erfahrungen entwickeln.“

Dem Jetzt vertrauen

Der Blick nach vorn sei immer mit jenem zurück verbunden, betont Erwin Rauscher in der Einleitung des Buches die Bedeutung der Verwobenheit von Vergangenheit und Zukunft für die Bildung. „Jener Augenblick, in dem und der gelebt wird, wird nur erlebt, wenn er sich verbindet mit dem Erfahrenen, wenn er innehält für das Werdende.“ Die Zukunft werde aus dem Gegebenen geformt: „Der Gegenwart zu vertrauen, ist, auf die Zukunft zu hoffen. Bildung ist der Speicher, um sie zu gestalten.“

Carmen Sippl, Gerhard Brandhofer, Erwin Rauscher (Hg.)
„Futures Literacy“
Studien-Verlag
464 Seiten
50,50 €


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