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Frankreich-Film: Einfach nur zwei Tage

Julie Delpy erklimmt den Regie-Stuhl: "2 Tage Paris".

Jetzt ist Monica Lewinsky auch noch am Irak-Krieg schuld. „Ein Blow-job hat Amerika seiner letzten Chance beraubt, eine gesunde Demokratie zu werden“, sagt Jack in 2 Tage Paris. Diesen Satz in den Mund gelegt hat ihm Julie Delpy, die aus den beiden Richard-Linklater-Filmen Before Sunrise und Before Sunset bekannte Schauspielerin. Nun ist sie auf den Regiesessel gewechselt – und hat diesen Wechsel mit Bravour gemeistert. Neben der Regie ist sie für das pointenreiche Drehbuch verantwortlich, hat Teile der Musik selbst aufgenommen und natürlich die Hauptrolle selbst gespielt: eine in den USA lebende Französin, die mit ihrem amerikanischen Freund zwei Tage in ihrer Heimatstadt Paris verbringt und dabei in Beziehungsprobleme gerät.

2 Tage Paris ist auf den ersten Blick tatsächlich so belanglos, wie der Titel suggeriert. Ähnlich wie in den Sunrise/Sunset-Filmen geht es um ein Paar, das im Prinzip einfach nur viel miteinander redet. Die deutsch-französische Koproduktion ist aber deutlich weniger romantisch, dafür reihen sich politisch durchaus unkorrekte Pointen aneinander – und zwar fast durchgehend. „Ich habe eine Menge Themen in den Film hineingepackt“, erklärte Delpy der „Presse“: „Es geht um Politik, den Irak-Krieg, Umweltverschmutzung, kulturelle Unterschiede zwischen den USA und Europa, um Beziehungsprobleme, Eifersucht.“


Katzen? Fett und kastriert

Dabei tritt sie vielen Personen auf die Füße – eigentlich allen, die im Film vorkommen. Den Amerikanern (übergewichtige Bush-Wähler oder zynische Liberale), den Franzosen (die nur über Sex reden wollen und natürlich arrogant sind), den Katzen (fett, kastriert). Umweltschützer sind gewalttätig, Pariser Taxifahrer rassistisch oder nur unsympathisch.

Trotzdem hat Delpy eine unterhaltsame, schwerelose Komödie gemacht. „Ich mag keine überdeutlichen Botschaften. Viele Pointen in dem Film kommen leicht und locker daher, man muss genauer hinsehen, um die Ernsthaftigkeit der Themen dahinter zu erkennen.“ Wie etwa die These von Blow-jobs, die den Gang der Weltgeschichte beeinflussen. Delpys Argumentation: „Der Lewinsky-Skandal hat in den USA zu einer neuen Welle des Puritanismus geführt. Und die hat möglicherweise Al Gore den Sieg der Präsidentschaft gekostet.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.05.2007)