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Auch Clemens Hellsberg war ein wilder Hund

Das Jagdkommando des Heeres – Spezialtruppe für hochriskante Einsätze.

Man hört sie nicht, man sieht sie nicht. Sie agieren nicht nur im Verborgenen – sie reden auch nicht gern darüber: Die Soldaten des Jagdkommandos, die eigentliche Elitetruppe des Heeres, sind auf Publicity nicht erpicht. So gestaltete sich die soeben eröffnete Sonderausstellung für Direktor M. Christian Ortner im Heeresgeschichtlichen Museum zur mühsamen Recherchearbeit. „Your Buddy“ nennt sich die Schau, und das bezieht sich auf das „Buddy-System“: Einer ist im Kleinkrieg gar nichts, es gehören immer zwei dazu. Einer schläft, einer wacht.


Eine russische Erfindung

In der US-Army nennen sie sich Ranger, bei der österreichischen Polizei „Cobra“: Eine Sondereinheit. In Wahrheit eine russische Erfindung. „In den Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts stellte Russland im Süden des Zarenreichs leichte bewegliche Truppen auf – pro Regiment etwa 150 Mann“, schildert Ortner. Eine Art Grenzschutztruppe also. Im 1. Weltkrieg agierten die Jagdkommandos ebenfalls höchst erfolgreich, bis die österreichische Armee ebensolche Kommandos aufstellte. Und zwar ohne „Allerhöchsten Befehl“: Bis 1916 waren daher diese Jagdkommandos eigentlich illegal. 1917 wurden die Männer zu „Sturmformationen“ zusammengefasst.

Sie waren – ebenso wie die Heutigen – für den Kleinkrieg ausgebildet. Seit vier Jahrzehnten ist die Truppe in Wr. Neustadt beheimatet. Die Ausbildung erfolgt in ganz Österreich unter allen möglichen Gelände- und Klimabedingungen. Ihre Aufgabe sind Kommandounternehmen zu Lande, zu Wasser und auch aus der Luft.

Sechs Monate dauert die Ausbildung, 30 Mann pro Jahr überstehen die Strapazen. Sie lernen Tauchen, sie springen mit Gleitschirmen aus Flugzeugen, sollen sich an Eis und Schnee ebenso gewöhnen wie an Wüstensand. Daneben trainiert das Kaderpersonal in Wiener Neustadt auch Spezialisten aus anderen Teilen der Armee. Für die Ausbildung sind die Lehrgruppen der Abteilung für Sondereinsätze zuständig.

Eine Fallschirmspringerausbildung ist ebenso obligat wie Pioniertauchen, Nahkampf-Ausbildung und diverse Überlebenskurse. Die können auch von anderen Berufs- und Milizsoldaten „gebucht“ werden.


Verhaftung von Kriegsverbrechern

Die Anforderungen entsprechen den riskanten Einsätzen: Die Befreiung von Soldaten, die als Geiseln festgehalten werden; die Festnahme von Kriegsverbrechern; die Vernichtung von gefährlichen Waffen-Stellungen. Außerdem hilft das Jagdkommando bei Such- und Rettungsoperationen unter hoher Gefahr, bei der Bergung von Personen aus Krisengebieten und beim Kampf gegen subversive Kräfte – wie etwa Terroristen.

Soldaten des österreichischen Jagdkommandos standen schon in Afghanistan und im Kosovo. Ihre Aufgabe ist der bewaffnete Schutz von „Peacekeepern“ oder von Ärzten im Einsatzraum. Wie groß ihre Zahl derzeit ist, wird ebenso geheim gehalten wie ihre Identität. Trotzdem wird mit Stolz darauf verwiesen, dass der heutige Arbeiterkammerpräsident Herbert Tumpel ein „Ranger“ war, auch der feinsinnige Philharmoniker Clemens Hellsberg. Vom verstorbenen Nachtklubkönig Heinz Werner Schimanko war es stets bekannt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2007)