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Update für den Underdog

(c) Centfox
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Bruce Willis kehrt in seiner Paraderolle als sprücheklopfender Leidens-Cop John McClane zurück: In "Stirb langsam 4.0" bekämpft er "virtuellen Terrorismus". Damit könnte auch der Film selbst gemeint sein.

Es ist das Schicksal vieler Ikonen, gerade im Kino: Sie sollen unverrückbar bleiben, aber rund um sie ändert sich alles. Welche tragischen Ausmaße diese Diskrepanz annehmen kann, ist bald beispielhaft am – mit geraumer Verzögerung verfertigten – vierten Teil der Stirb Langsam-Reihe um Bruce Willis zu studieren.

Polizist John McClane, der widerwillige Held der Stirb Langsam-Filme, ist die ultimative Willis-Figur: Als aufrechter Individualist mit ausgeprägtem Autoritätsproblem ist er eigentlich der archetypische amerikanische Action-Held. Willis verlieh dem Charakter auf zweifache Weise eine persönliche Note: Sein Körper wurde unbarmherzig geschunden, während sein Schandmaul weiter Witze riss. Ein Underdog mit Sinn für Ironie: In den Achtzigern war das der letzte Lacher der guten alten proletarischen Kampfmaschine – die in der folgenden Dekade endgültig in die Videothek abwanderte.

Das Gesicht des modernen Action-Kinos veränderte sich mit dem ersten Auftritt von McClane auch in ästhetischer Hinsicht: Der Polizist musste sich gegen Terroristen praktisch einen Wolkenkratzer hochkämpfen, ein Konzept, das 1988 hochmodern anmutete – entsprach es doch in gewisser Weise der aufsteigenden Level-Struktur damals populärer Video- und Computer-Spiele. Das die nächsten Jahre in Hollywood tonangebende Action-Kammerspiel war geboren: Handgreiflichkeiten, Schusswechsel, schmallippige Scherze ersetzten Intimität und Psychologie des klassischen Kammerspiels, Regisseur John McTiernan inszenierte mit einer traditionellen Ökonomie, die dem einsilbigen Originaltitel Die Hard alle Ehre machte.

Der verdiente Welterfolg zog unweigerlich Fortsetzungen nach sich: Stirb langsam 2 folgte 1990, seine Variation des Originals beschränkte sich im Wesentlichen auf gutgelaunte Übertreibung – im Trash-Maximalisten Renny Harlin hatte man damit irgendwie den idealen Filmemacher gefunden, im Ruf „Yippie-Kay-Yay-Schweinebacke“ (im Original: „Motherfucker“) den endgültigen Einzeiler. Trotz Rückkehr von Regisseur McTiernan und Samuel L. Jackon als Willis-Widerpart wirkte der dritte Teil 1995 aber in jeder Hinsicht nur wie ein verspäteter Nachschlag.

Schweinebacke 50.0

Ein lukratives Franchise lässt Hollywood aber nicht ruhen: Zwölf Jahre nach seinem letzten Auftritt als McClane lässt Willis seinen nunmehr über 50 Jahre alten Körper wieder malträtieren. Die Drohung des mit Update-Technologie kokettierenden deutschen Titels Stirb Langsam 4.0 (im Original: Live Free and Die Hard) wird auch eingelöst: Seit dem letzten Teil hat das Internet schließlich die Welt verändert, also zieht Cop McClane diesmal gegen „virtuellen Terrorismus“ ins Feld. Weil der Polizist ein Mann der Tat ist und mit dem Computer-Kram natürlich nichts am Hut hat, stellt man ihm diesmal einen jungen Hacker (Justin Long) zur Seite.

Hightech-Terrorzirkus

Erwartungsgemäß dürfen die Bösen im durch die TV-Serie „24“ erfolgreich etablierten Ausnahmefall-Stil attackieren, Hollywoods bewährt kindische Vorstellung der Computerwelt wird auch weiterhin ausgelebt: Auf Tastendruck erscheinen Meldungen wie „Upload Virus ... Done“. Ungleich problematischer ist, dass die von Regisseur Lew Wiseman meistens konfus gehandhabte Action ebenfalls von Computerdigitalisierung überwältigt wird: Das Schlussduell eines Kampfjets gegen einen Laster mag hübsch hochgerechnet sein, ist aber kontraproduktiv in seiner Künstlichkeit. Zum Reiz der Willis-Figur in dieser Filmreihe gehört seine Glaubwürdigkeit als Schmerzensmann – darum ist noch immer sein Lauf über Glasscherben aus dem ersten Teil am stärksten in Erinnerung. Freilich: Im Hightech-Terrorzirkus von Stirb Langsam 4.0 wirkt McClane deplatziert, Drehbuch-Versuche, die Figur an die alte Mythologie anzudocken, bleiben kraftlos. Es bleibt nur ein austauschbarer Actionhelden-Klon, der ebensogut Boutros Boutros-Ghali heißen könnte, oder schlicht McClane 4.0.