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Christoph Schlingensief: "Mein 'Parsifal' hat Bayreuth verändert"

AP (Steffen Schmidt)
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Der Skandal-Regisseur zieht positive Bilanz seiner vierjährigen Arbeit bei den Bayreuther Festspielen. Vom Theater will er sich "langsam verabschieden".

Christoph Schlingensiefs Inszenierung der Oper "Parsifal" wird nach der letzten Vorstellung an diesem Sonntag vom Spielplan genommen. Der Regisseur selbst hat eine positive Bilanz seiner vierjährigen Arbeit mit der Oper bei den Bayreuther Festspielen gezogen. "Bayreuth hat mich berührt und ich habe Bayreuth berührt, da ist ein Funke übergesprungen", sagte Schlingensief. "Ich bin nicht der Erwecker von Bayreuth. Aber meine Arbeit hat Bayreuth verändert, denn die Kunstform Oper hat ein großes Herz für viele Kunstauffassungen, auch für meine."

Er habe jetzt mehr Selbstbewusstsein und auch mehr Chancen für eine internationale Arbeit, vor allem in der Kunstszene. "Vom Theater werde ich mich langsam verabschieden, aber nicht von der Oper", kündigte Schlingensief an. "Bayreuth hat mich weitergebracht und wieder etwas glücklich gemacht und mich vielleicht auch vor der Selbstzerfleischung bewahrt."

Kein "Holzhammer" der Kritik

In seinem letzten Jahr am Grünen Hügel habe er gedacht, dass viele Kritiker "nochmal den großen Holzhammer rausholen und mich als Gescheiterten anprangern", aber es sei ganz anders gekommen. Jetzt werde er als einer der Wenigen in Bayreuth angesehen, die die "Werkstatt Bayreuth" ernst nehmen. Er habe zwar einiges im Laufe der Jahre verändert, aber nicht so viel, wie manche meinen. "Diese Anerkennung ist meine schönste Freude für mich und mein ganzes Team, unsere Arbeit hier hat sich gelohnt, weil wir auch im Publikum immer mehr Anhänger gefunden haben. Viele bedauern inzwischen meinen Abschied von Bayreuth."

Für viele skeptische Beobachter sei es überraschend, "dass ich nicht als der große Provokateur und Zerstörer aufgetreten bin, als der große Haudrauf, sondern dass ich durchaus der Oper mit neuen, vielleicht auch gewöhnungsbedürftigen Sichtweisen dienen konnte".

Der Aufschrei mancher "erzkonservativer Wagner-Pilger, die noch als geschlossener Verein und auserwählter, sich selbst feiernder Kreis auftreten", sei nicht so schlimm. "Wichtig ist, dass in Bayreuth einige Türen aufgegangen sind, das merkt man im ganzen Festspielhaus, von Katharina Wagner angefangen bis hin zur technischen Abteilung."

Berufung nach Bayreuth sei "kleines Wunder"

Selbst Wolfgang Wagner sei zwar noch immer skeptisch, "aber er freut sich auch darüber, ein erfolgreiches Experiment zugelassen zu haben." Es sei jetzt ein schönes Gefühl zu wissen, meint Schlingensief, "dass ich in den nächsten Jahren nach Bayreuth zurückkehren kann, ohne mit einem Hausverbot belegt zu werden".

Seine Berufung nach Bayreuth sei für ihn immer noch "ein kleines Wunder, ich wüsste nicht, wo ich heute stehen würde ohne diesen Ruf in die Wagner-Stadt". Sicherlich habe es auch die Strategie der Festspielleitung, der man fälschlicherweise oft Starrsinn unterstelle, gegeben, "mal einen Wilden nach Bayreuth zu holen", meint der Regisseur. "So gesehen bin ich auch benutzt worden, dann bin ich aber gerne benutzt worden."

Friede in Bayreuth

Er könne jetzt Richard Wagners Traum nachempfinden, "einen Ort zu finden, wo der eigene Wahn auch mal seinen Frieden findet". Jetzt träumt Schlingensief davon, einmal auch Wagners Oper "Tristan" zu inszenieren. Den nächsten "Parsifal" in Bayreuth inszeniert 2008 der Wahlberliner Stefan Herheim, mit dem Schlingensief bereits Kontakt hat. (Ag.)