Karikaturen-Streit: Schwedischer Zeichner taucht ab

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Lars Vilks zeichnete Mohammed als Hund. Islamisten wollen ihn deshalb „schlachten“.

STOCKHOLM. Lars Vilks durfte nur noch einige persönliche Sachen aus seiner Wohnung holen. Dann musste Schwedens derzeit wohl prominentester Karikaturen-Zeichner auf dringenden Rat der Polizei hin untertauchen. Eine irakische Terrorgruppe hatte ein Kopfgeld auf Vilks ausgesetzt, weil er ihrer Ansicht nach den Propheten Mohammed geschändet habe. Vilks hatte in mehreren Zeichnungen den Propheten Mohammed als Hund dargestellt.

In einer im Internet verbreiteten Videobotschaft rief die Gruppe „Islamischer Staat Irak“ deshalb zur Ermordung „dieses Verbrechers“ auf und verspricht dafür eine Belohnung von 100.000 Dollar sowie 50.000 Dollar extra, wenn Vilks „wie ein Lamm geschlachtet“ werde. Die Gruppe gilt als Ableger des Terrornetzwerks al-Qaida und hat sich zu zahlreichen Selbstmordanschlägen bekannt. Auch gegen Ulf Johansson, den Chefredakteur der Zeitung „Nerikes Allehanda“, richtet die Organisation eine Morddrohung und bietet ein Kopfgeld von 50.000 Dollar. Johansson hatte einen Leitartikel über Meinungsfreiheit mit einem von Vilks Zeichnungen illustriert.


Polizei: Drohung ist äußerst ernst

Die schwedische Polizei ist in ständigem Kontakt mit Vilks, um die notwendigen Entscheidungen zu treffen. Noch vor Tagen hatte der Zeichner die Morddrohung sehr gelassen genommen und sie als „Schrecktaktik“ bezeichnet. Der Preis sei etwas niedrig: „Was bekommt man denn heutzutage schon für 100.000 Dollar“, sagte der Zeichner damals in einem Telefonat mit dem Schwedischen Rundfunk. Er werde sich künftig „über die Schulter sehen, ehe ich über die Straße gehe“, hatte er gemeint.

Mittlerweile habe ihm die Polizei aber deutlich gemacht, dass die Botschaft der Islamisten äußerst ernst zu nehmen sei. Auch Chefredakteur Johansson sagte, er nehme die Drohung ernster als die anonymen Attacken, die er bisher erhalten habe, bedaure jedoch das Publizieren der Zeichnung nicht.

Auch schwedische Firmen wie Ikea, Volvo, Electrolux, Scania und Ericsson wurden Repressalien angedroht, wenn sich die schwedische Regierung nicht für die Zeichnungen entschuldige. Die betroffenen Unternehmen forderten ihre Mitarbeiter in islamischen Staaten auf, vorsichtig zu sein. Ericsson holte deshalb vor Tagen alle Fahnen mit Firmenlogo ein. Wirtschaftlich würde ein Boykott in muslimischen Ländern schwedische Unternehmen wenig treffen, nur ein geringer Teil des Umsatzes wird im Nahen Osten erwirtschaftet.

Schwedens muslimische Verbände verurteilten die Mord-Drohungen gegen Vilks und Johansson in aller Schärfe. Ihr Vorsitzender Mahmoud Aldebe forderte die irakische Gruppe in einem Brief auf, die Todesbotschaft zurückzuziehen. Drohungen gegen Individuen oder Institutionen seien unannehmbar: „Wir können unsere Konflikte in Schweden selbst lösen.“


„Klug gemacht, Reinfeldt“

Genau das hatte Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt auch versucht: Das Beispiel des dänischen Karikaturen-Streits des Jahres 2006 vor Augen, setzte er ganz auf Dialog. Sein dänischer Kollege Anders Fogh Rasmussen hatte ein Treffen mit Botschaftern aus islamischen Ländern brüsk abgelehnt. Die Lage eskalierte, dänische Einrichtungen im Nahen Osten wurden angegriffen; in Damaskus brannte gar die dänische Botschaft.

Reinfeldt lud nun von sich aus die Botschafter ein, und erntete sogar seitens des iranischen Vertreters in Stockholm Lob. „Klug gemacht, Reinfeldt“, streute die Zeitung „Expressen“ dem Premier Rosen. Als der Konflikt gerade aufkeimte, hatte sich der Premier zur Kalmierung der Situation auch mit Vertretern der rund 400.000 in Schweden lebenden Muslime in einer Moschee getroffen. Gegen ausländische Extremisten nützen alle diese Gesten freilich nichts.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2007)