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Burma: Zerrüttetes Land mit langer Geschichte

(c) EPA
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Seit dem 11. Jahrhundert existiert Burma unter wechselnden Namen und wechselnder Herrschaft.

Burma ist ein Vielvölkerstaat in Südostasien mit 54 Millionen Einwohnern. Gegründet wurde das damalige Königreich Birma im 11. Jahrhundert von König Anawrahta. Nach mehreren Kriegen fiel das Land im 19. Jahrhundert unter britische Herrschaft. Im Zweiten Weltkrieg wurde Burma kurzzeitig von Japan annektiert, ehe es von den Briten zurückerobert wurde. Das Land ist seit 1962 fast völlig isoliert. Auf zwei staatlichen Militärsendern wird hauptsächlich Propaganda gezeigt. Internet ist nur den Militärs wirklich zugänglich, auf den Besitz eines Faxgeräts steht Gefängnis. Pressefreiheit ist nicht existent.

Seit 1948 unabhängig

1948 wurde das Land von den Briten in die Unabhängigkeit entlassen. Die heutigen Grenzen des Landes wurden teilweise ohne Befragung der Bevölkerung und der Führer einiger bis dahin unabhängiger Staaten festgesetzt. 1962 nahm das Militär unter der Führung von General Ne Win die Führung des Landes und setzt das Panglong-Agreement, das den Grenzverlauf regelt, außer Kraft.

Einige der Grenzstaaten wurden nicht davon in Kenntnis gesetzt, unterstützten aber in der Folge dennoch die neue Regierung, da man das Recht auf Sezession nach 10 Jahren im Vertrag festgehalten hatte. 1989 wurde das Land in Myanmar umbenannt. Diese Bezeichnung hat sich allerdings bis heute nicht durchgesetzt. Seit 1992 ist umstrittene General Soe Win an der Spitze des Staates.

Suu Kyi - Ikone der Demokratiebewegung

Als eine seiner schärfsten Kritikerinnen gilt die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Ihr Vater Aung San gilt als „Architekt" der burmesischen Unabhängigkeit. Er wurde 1947 ermordet. Sie selbst gründete 1988 die Partei NLD und wollte damit bei den ausgerufenen Neuwahlen antreten. Bereits ein Jahr später steht sie das erste Mal unter Hausarrest. Bei den Wahlen 1990 errang die NLD 392 der 485 Sitze im Parlament - die Generäle verweigern dem Votum aber die Anerkennung.

Für ihren friedlichen Protest gegen die Machthaber wird Aung San Suu Kyi 1991 der Friedensnobelpreis verliehen - der Hausarrest bleibt allerdings aufrecht. Auf Druck der internationalen Gemeinschaft wird sie gelegentlich kurzfristig frei gelassen. 2003 entgeht sie einem Mordanschlag. Heute ist sie isolierter denn je: nur der Arzt darf sie aufsuchen. „Alles zu ihrer Sicherheit", versichern die Militärs. Sie ist die unumstrittene Ikone der burmesischen Demokratiebewegung.

Starke ethnische Minderheiten

Die Mehrheit der burmesischen Bevölkerung machen ethnische Burmanen aus, doch kann man kaum von einer Minderheit sprechen, wenn es sich um 9 Millionen Shan oder 7 Millionen Karen handelt. Shan, Karen, Karenni,Kachin, Wa, Lahu, Chin, Mom, Hmong, Akha, Palaung, Naga, Pao - das sind nur einige der angeblich 138 Volksgruppen in Burma, die alle ihre eigene Sprache sprechen, ihre eigene Kultur und Tradition haben.

Die Zahl der in Burma intern Vertriebenen Menschen wird mit 2 Millionen geschätzt. Im Grenzgebiet zu Indien leben etwa 200.000 Chin auf permanenter Flucht - einmal vor den Indischen Behörden, dann vor den Militärs im Land.

Es gibt Flüchtlingslager im angrenzenden Bangladesh, wohin die muslimischen Rohingyas aus Arakan State flüchten. In Thailand zählte die UNHCR 250.000 Karen und Karenni in Lagern an der Grenze. Den Shan wird kein Bleiberecht anerkannt: ihre Flüchtlingslager befinden sich im "Rebellengebiet".

Wechselnde Allianzen

Die grossen ethnischen Gruppen haben - soweit möglich - ihre eigenen bewaffneten Einheiten. Ähnlich der Situation in Tibet stehen sie einem übermächtigen Feind gegenüber. In wechselnden Allianzen und an wechselnden Fronten kämpfen sie gemeinsam für ein freies Burma und das Ende der Diktatur. Die bewaffneten Einheiten der ethnischen Gruppen werden von der Diktatur als „Rebellen" bezeichnet. Korrekt ist, dass einige Gebiete seit 1948 von den Burmesen besetzt sind.

Seit 2001 versucht das Ethnic Nationalities Council ENC als Schirmorganisation die Interessen der Minderheiten zu vertreten. 2003 wird in Genf von der UNO die Notwendigkeit eines Dreiparteien-Dialoges anerkannt. Mit den Protesten der Mönche könnte die Demokratiebewegung nun internationalen Aufwind bekommen. (Red.)