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Klima: Biosprit heizt Treibhaus

AP
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Nobelpreisträger Crutzen warnt vor Nebenfolge der Agrar-Treibstoff-Produktion: Sie setzt starke Treibhausgase frei, N2O.

Zur Rettung der Welt vor der Hitze werden viele Ideen geboren, etwa die, Treibstoffe auf dem Acker wachsen zu lassen. Das mag Altväterische grämen, die Nahrung nicht gerne verbrannt sehen, aber Regierungen fördern es nach Kräften. Und bewirken womöglich das Gegenteil: Biosprit heizt das Treibhaus weiter auf. Zu diesem Befund kommt eine Gruppe um Paul Crutzen, der das Ozonloch mit entdeckte und dafür den Nobelpreis erhielt. Dabei ging es um Distickstoffoxid (N2O), das aus Agrarböden aufsteigt, wenn sie mit Stickstoff gedüngt werden.

Sie sind auch Treibhausgase – 296 Mal stärker als CO2 –, ihre Menge wurde bisher unterschätzt: Der UNO-Klimabeirat IPCC hat sie in seinen Rechnungen, aber er stützt sich bei der Abschätzung der N2O-Emissionen auf Experimente mit Pflanzen. Crutzen hat die Konzentrationen in der Atmosphäre gemessen und höhere Werte gefunden. Demnach ist Biodiesel aus Raps bestenfalls klimaneutral, eher schädlich: Der Klimaschaden durch N2O ist 1,0 bis 1,7 Mal so groß wie der Klimanutzen, der durch das eingesparte CO2 entsteht. Beim Bio-Ethanol aus Mais sieht es ähnlich aus (0,9 bis 1,5). Nur Bio-Ethanol aus Zuckerrohr entlastet das Klima (ACPD, 7, S.11191).

Also bleibt Crutzen bei seinem Rettungsvorschlag: Er will Vulkane simulieren, den Himmel verdunkeln, um die Erwärmung abzuwenden. Nun bekommt er Konkurrenz von einem anderen Giganten, James Lovelock. Der sah die Erde lange als selbstreguliertes System („Gaia“), in dem Algen für konstante Temperaturen sorgen: Kommt viel Sonne, produzieren sie viel Methyldisulfid (DMS), das sie in die Atmosphäre entlassen, es bildet Wolken, es wird kühler, die Algen werden weniger, die Wolken auch etc.


Lovelock hat auch eine Patentlösung

Aber so geht es nicht, Lovelock hat es verbittert konstatiert und der Menschheit ein heißes Ende prognostiziert. Nun hat auch er einen Plan, in einem Leserbrief an Nature (449, S.403): Man möge riesige Rohre – 200 Meter lang, zehn Meter Durchmesser – so in die Ozeane hängen, dass sie nährstoffreiches Tiefenwasser zu den Algen bringen. Dann würden die mehr DMS produzieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2007)