China und Indien schielen auf Burmas Öl- und Gasfelder

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Was für die USA und Europa der Irak und die Ölreserven am Persischen Golf, sind für China und Indien die weitgehend noch unerschlossenen Öl- und Gasfelder Burmas.

Viele internationale Konzerne im Land aktiv - China und Indien mit besonderen Interessen (Thomas Hogue/AP)
Bangkok (AP) - Internationale Ölkonzerne haben auch in den Tagen der jüngsten Protestbewegung gegen die Militärregierung, die das südostasiatische Land seit Jahrzehnten mit eiserner Faust regiert, Verhandlungen um lukrative Förderkontrakte geführt und auch Verträge unterzeichnet. Der Energiehunger der Welt ist die zuverlässigste Stütze der ansonsten isolierten Machthaber Burmas.

So unterzeichnete vor einer Woche der indische Ölminister Murli Deora in Rangun Verträge über die Ausbeutung von Öl- und Gasfeldern, während draußen unter Führung buddhistischer Mönche Tausende gegen ein Regime demonstrierten, mit dessen Vertretern er gerade am Tisch saß. China ist als Burmas Nachbar nicht nur an dessen Öl und Gas interessiert, sondern will eine Pipeline bauen, durch die einmal Öl und Gas aus dem Nahen Osten nach Südchina gepumpt wird. Der Seetransport durch die Straße von Malakka könnte so entfallen, und das hat strategische Bedeutung: In einem Konfliktfall in Asien könnten die USA diesen Seeweg sperren - für China ein Alptraum.

Aber auch Firmen aus Südkorea, Thailand und Malaysia werden von Burmas Öl- und Gasreserven in Land gelockt. Der französische Konzern Total und die amerikanische Chevron sind in Burma schon seit langem aktiv - obwohl die EU und die USA Sanktionen gegen die Militärregierung verhängt haben, die 1988 eine Demokratiebewegung blutig niederschlug und seitdem keine Opposition im politischen Leben duldet.

"Sie finanzieren die Diktatur", sagt Marco Simons von der Umwelt- und Menschenrechtsgruppe Earth Rights International. "Die Öl- und Gasfirmen sind eine der wichtigen Industrien, die das Regime an der Macht halten."

Was diese natürlich bestreiten. Ein Vertreter der französischen Total, Jean-Francois Lasalle, betonte in einer in dieser Woche veröffentlichten Erklärung: "Statt Burmas Probleme zu lösen würde ein erzwungener Rückzug nur dazu führen, dass andere Firmen mit möglicherweise geringeren Verpflichtungen gegenüber den ethischen Prinzipien zum Zuge kommen, die alle unsere Initiativen leiten."

Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy machte bei seinem Aufruf in dieser Woche, nicht mehr in Burma zu investieren, eine wichtige Einschränkung: Er sprach sich ausdrücklich nur gegen neue Investitionen französischer Firmen in Burma aus. Total stellte dazu fest, der Konzern habe seit 1998 keine Investitionen in Burma mehr getätigt. Auch der Chevron-Konzern, der an sein Burma-Geschäft durch die Übernahme des Konkurrenten Unocal kam, verweist darauf, dass dieses bis in die 90er Jahre zurück reicht.

China, das diplomatisch seine Hand über die Militärjunta hält, trennt nach Angaben des politischen Analysten Kuen Wook Paik vom Londoner Chatham House grundsätzlich Geschäft und Politik. "Sie wollen eine neutrale Haltung einnehmen. Sie wollen ihre Beziehungen zu den Burmanischen Behörden nicht riskieren", sagt er zum Verhalten chinesischer Politiker.

Der Direktor des indischen Instituts Rat für Soziale Entwicklung, Muchkund Dubey, fasst es schärfer: "Es gibt zwei Zielkonflikte: Das eine ist eine moralistische Position und das andere sind strategische Interessen."

Der thailändische PTTE-Ölfördergesellschaft teilte mit, trotz der Massenproteste und Zusammenstöße mit mindestens zehn Toten laufe die Öl- und Gasgewinnung normal - und das sollte auch so bleiben. "Alles geht wie gewohnt weiter", sagte der PTTE-Manager für Außenbeziehungen, Sidhichai Jayamt. "Wenn wir einen Vertrag mit der Regierung haben, ist es nicht wirklich wichtig, wer diese Regierung ist." (APA)