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Ski: Miller geht mit "Team Bode America" auf Punktejagd

(c) Reuters (Wolfgang Rattay)
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Der US-amerikanische Ski-Rebell Bode Miller gründet nach seinem Split mit dem US-Verband sein eigenes Team. Nur so könne er sich weiter verbessern, sagt er.

US-Skistar Bode Miller ist schon oft durch seine eigenwillige Art aufgefallen. Kaum ein anderer Skiprofi feierte nach Erfolgen, wie auch nach Misserfolgen so hart, keiner hat ein loseres Mundwerk und einen radikaleren Fahrstil als der US-Amerikaner. In der vergangenen Saison brachte es der Kurz vor seinem 30. Geburtstag am Freitag lässt der Weltmeister und Gesamtweltcupsieger wieder einmal aufhorchen: Nach elf Jahren hat er sich US-Skiverband weitgehend losgesagt und geht künftig als Chef seines "Bode Team America" seine eigenen Wege.

Der freiheitsliebende Miller hatte sich von Verbandsstrukturen stets eingeengt gefühlt und war deshalb immer wieder mit dem US-Verband im Clinch gelegen. Im Vorjahr hatte man ihm verboten, während der Weltcup-Rennen weiter in seinem Wohnmobil zu schlafen, mit dem er zu allen Wettkämpfen fährt. Nun zog der Ski-Rebell die Konsequenzen. Nach einer mäßigen Saison, in der er trotz großspuriger Ankündigungen nur vier Siege gefeiert hatte, verließ der Weltcup-Gesamtsieger von 2004/05 noch im vergangenen Mai das US-Team.

Aufbautraining mit Österreichern

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten und trotz einer Familientragödie - ein Miller-Cousin erschoss einen Polizisten und wurde danach selbst getötet -, hat es Miller nun geschafft, rund um seinen persönlichen Coach John McBride und Onkel Michael ein privat finanziertes Team aufzubauen. Im Sommer trainierte er bereits auf eigene Faust mit anderen Nationen, darunter in Neuseeland mit den Österreichern. Außerordentlich höflich und freundlich habe sich Miller dabei verhalten, war damals aus dem ÖSV-Team zu hören.

Zwar wird Miller weiter vom US-Verband für die Rennen genannt und in der offiziellen Rennuniform starten, geht aber sonst seine eigenen Wege. Außerhalb des Renngeländes wird der Head-Fahrer künftig z.B. in der Bekleidung seines neuen Ausrüsters Kjus Skiwear auftreten. Beim US-Verband gab man sich dennoch milde gesinnt. "Wir werden Miller behandeln wie alle anderen Athleten", versprach US-Alpinchef Jesse Hunt, und Herrenchef Phil McNichol meinte. "Ich wünsche Bode nur Erfolg. Hoffentlich haben wir weiterhin eine gute Arbeitsbeziehung."

"Teamkollegen und Coaches immer geschätzt"

"Es war keine leichte Entscheidung. Denn trotz aller Probleme war ich doch elf Jahre Mitglied der US-Mannschaft und habe die Beziehung zu meinen Teamkollegen und den Coaches immer sehr geschätzt", sagte Miller. "Aber ich glaube nicht, dass ich mich unter den gegebenen Voraussetzungen verbessern und auf jenem Level fahren kann, den ich von mir selbst verlange", erklärte der geniale Skirennfahrer, der als einer von nur fünf Athleten in allen fünf Alpin-Disziplinen Weltcuprennen gewonnen hat und im Winter weiter eine Basis in Tirol haben wird. "Aber ich starte weiter für die USA und ich bin stolz darauf", erklärte Miller.

Die Meinungen über die Erfolgsaussichten dieses Alleinganges, wie ihn früher auch Günther Mader in Österreich oder zuletzt Millers Landsfrau Christina Koznick wagten, sind geteilt. So ist etwa Landsmann Phil Mahre, dessen US-Bestmarke von 27 Weltcupsiegen der bei 25 haltende Miller im kommenden Winter brechen will, nicht restlos überzeugt.

Maier: "Eigenes Team ist Riesenmotivation"

"Ein eigenes Team ist eine Riesen-Motivation. Deshalb bin ich überzeugt, dass Bode im kommenden Winter sehr, sehr stark sein wird", erklärte dagegen ÖSV-Star Hermann Maier. Der Doppel-Olympiasieger aus Salzburg hatte sich am Beginn seiner Karriere selbst jahrelang außerhalb der Verbandsstrukturen bewegt. (APA/Red.)