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"Prinzessinnenbad": Neue Jugendbilder sucht das Land

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Bettina Blümners Teenagerfilm „Prinzessinnenbad“: substanzlos, aber unterhaltsam. Ab Freitag.

Tanutscha liest dem kleinen Bruder am offenen Fenster aus dem Märchenbuch vor. Dieses Familienbild zerspringt, als draußen ein Mann vulgär schimpft. In Bettina Blümners Dokumentation Prinzessinnenbad geben sich Fantasie und Wirklichkeit nicht nur im Titel die Hand: Die Lebenswelt der drei gezeigten Berliner Mädchen liegt wie bei jedem Teenager zwischen dem Sein in der Gegenwart und einem Traum von der Zukunft.

Blümner begleitet das Trio auf Parties, in die Schule, zu Gesprächen mit den Eltern, lässt sich ihre Geschichten vom Erwachsenwerden erzählen. Ums Zerrbild Kreuzbergs als multikulturelles Zentrum einer multikulturellen Stadt versucht sich Prinzessinnenbad am Mädchenfilm als Berlinbild als Generationenporträt: das Ergebnis ist zuvörderst akademisch. Blümner sucht Besonderes im Alltäglichen, findet es nie. Familiensituationen werden, wie alles, bloß angerissen: Tanutscha kämpft mit der Mutter um mehr Freiheiten, Mina ist Scheidungskind, der Papa Klaras nach Panama ausgewandert.


Eine sozialpädagogische Erzählung

Das deutsche Kino sucht schon länger nach neuen Bildern für die Jugend: 2005 begleitete Bettina Braun vier muslimische Teenager der Zweiten Generation in Köln, zwischen Macho-Getue und Bewerbungsgespräch fand ihr Was lebst du?eine ungleich differenziertere sozialpädagogische Erzählung. Valeska Grisebachs fragiles Liebesfilm-Laienspiel Mein Stern zog schon 2001 der Sozialtristesse des Aufwachsens zwischen Plattenbaurealität und Traumwelt das Laminat unter den Füßen weg. Blümner aber fehlt ein Konzept: jedes der Mädchen wäre einen eigenen Film wert, das Ineinanderschachteln ihrer Leben hat keine Wirkung.

So geht es um Veränderungen (die drei haben sich auseinander gelebt), Jugendsprache („Story“ steht für Lüge) und -kultur (der Soundtrack will sich an Kreuzberg anschmiegen). Weder neu noch interessant, allerdings unterhaltsam. Bleibt die Frage: „Was lebst du?“ und Frust darüber, drei Mädchen 90 Minuten lang begleitet, ohne Substanzielles über sie oder ihre Generation erfahren zu haben. mak

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.11.2007)