Grenzschutz: Schengen-Daten im Salzburger Bunker

Das Computersystem zum Schutz der EU-Außengrenzen erhält einen riesigen Datenspeicher in Österreich.

Salzburg. Er dient in Krisenzeiten der zivilen und militärischen Führung Österreichs als sicherer Unterschlupf, beherbergt die Zentrale der militärischen Luftraumüberwachung und einen Hochsicherheits-Datenspeicher des Bundes: der Bunker im Heukareck in St. Johann im Pongau. Im kommenden Jahr zieht auch das Schengen-Informationssystem SIS II in die in 300 Metern Tiefe liegenden Hochsicherheits-Räume ein. Das Computersystem soll künftig die Kontrolle an den Außengrenzen der EU mit der Bereitstellung von Daten über gesuchte Personen und Diebesgut erleichtern.

In einem eigenen Bereich des Bunkers wird ein Backup-Server des europäischen Fahndungscomputers installiert. Das Schengen-Informationssystem SIS II verlässt sich damit nicht mehr nur wie bisher auf den Hauptrechner in Straßburg, sondern hält ständig eine deckungsgleiche zweite Version der Daten für Notfälle bereit.

„Die beiden Computer sind vernetzt und immer auf dem gleichen Stand“, erläuterte Wilhelm Riegler vom Bundeskriminalamt im Gespräch mit der „Presse“. Sollte der Rechner in Straßburg ausfallen, können die Ermittler in ganz Europa jederzeit automatisch auf die Daten in St. Johann zugreifen. In Notfällen sei der Großcomputer im Berg so etwas wie das Herz des Schengen-Fahndungssystems, erläutert der Experte.


44 Millionen Daten

SIS II, das im Dezember 2008 in Betrieb geht, wird im Endausbau rund 44 Millionen Daten umfassen. Erstmals sollen auch biometrische Daten von Visa-Antragstellern gespeichert werden.

Österreich hat sich neben anderen um den Standort des Sicherheitscomputers beworben. Die zentrale Lage und die hohen Sicherheitsstandards in St. Johann hätten die europäische Expertenkommission überzeugt, das Heukareck als Standort für den Backup-Server geeignet ist. Die Kosten für den Großrechner, das technische Personal sowie die Miete im Bunker trägt die Europäische Kommission. Wie hoch diese sein wird, ist bisher nicht bekannt.

Zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen bringt SIS II für den Bunker in St. Johann nicht. Er gilt schon jetzt als eines der am besten gesicherten Objekte in Österreich. In den Jahren 1977 bis 1982 wurde im Heukareck unter strenger Geheimhaltung die „Einsatzzentrale Basisraum“ geschaffen. Weit unter der Oberfläche des Bergs befinden sich Räumlichkeiten, damit die Regierung im Ernstfall geschützt arbeiten kann. Die militärische Luftraumüberwachung wird von St. Johann aus gesteuert und auch das Zentrale Ausfallssystem des Bundes – ein Hochsicherheits-Datenspeicher für Ministerien, Behörden und große Firmen – ist hier untergebracht.

Der Bunker gilt als sicher gegen Angriffe mit Kernwaffen sowie mit biologischen und chemischen Kampfstoffen. Im Ernstfall können in den Räumlichkeiten 500 Personen untergebracht und versorgt werden. Biometrische Daten Seite 10

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2007)