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Tirol: Größter türkischer Verein zeigt Land Tirol kalte Schulter

Landes-Integrationsreferentin Zanon lud Türken und Kurden zur Versöhnung. Von ATIB gab es einen Korb – schriftlich.

INNSBRUCK. „Ja, der schriftlichen Absage war ein Schreiben des türkischen Konsulats in Salzburg beigelegt“, bestätigt Elisabeth Zanon der „Presse“. Dass sich die offizielle Türkei für Dialoginitiativen in Tirol interessiert, scheint Zanon überrascht zu haben: „Ich appelliere an alle Vereine, dass sie hier nicht im Sinne der Türkei agieren und die Entstehung einer Parallelgesellschaft vorantreiben sollen.“ Tirols Landes-Integrationsreferentin Zanon hatte nach teils tätlichen Auseinandersetzungen von Türken und Kurden am Freitag Vertreter beider Volksgruppen zu einem versöhnlichen Gespräch gebeten. Ohne Erfolg: ATIB, der größte türkische Verein, sagte ab, überreichte statt dessen das ablehnende Schreiben des Konsulats.

Zanon will aber nicht alle über einen Kamm geschert wissen: „Es waren am Freitag durchaus türkische und kurdische Vereine anwesend, die sich am Dialog beteiligten.“ Doch ohne die mächtige ATIB wird ein solcher nur schwer möglich sein.

Die Verbindungen zwischen ATIB und dem türkischen Staat sind verworren. Für Kritiker ist der Verein der verlängerte Arm des türkischen Staates in Österreich. So werden Imame in ATIB-Moscheen für je vier Jahre von der Türkei gesandt und bezahlt – das ist bekannt. Wie weit die Verbindungen tatsächlich gehen ist weniger klar. ATIB-Telfs Obmann Demir Temel ist der einzige der offen darüber spricht: „Eigentlich müsste bei unserem Vereinsheim die Türkei als Eigentümer im Grundbuch stehen.“ Die ATIB hatte auch die Anti-Kurden-Demos in Innsbruck organisiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.11.2007)