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Pläne für mehr ORF-Werbung sorgen für Aufregung

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wrabetz will die Werbezeiten von 42 Minuten pro Sender auf 50 Minuten erhöhen, im Gegenzug dazu aber die Online-Werbung streichen. Die Privatsender fürchten eine weitere Privilegierung der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt.

Offenbar plant ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, die Werbezeiten im ORF von derzeit 42 Minuten pro Tag und Sender auf 50 Minuten zu erhöhen. Der ORF soll bereits Gespräche mit den Zeitungsherausgebern (VÖZ) über eine Ausdehnung der Werbezeiten führen, berichtet der „Standard". Ohne Zustimmung des VÖZ werde es nämlich keine Veränderung der Werbezeiten für den ORF geben. Der Sender soll dem Verband ein Tauschgeschäft anbieten: Stimmt dieser längeren Werbezeiten zu, will der ORF im Gegenzug auf seine Onlinewerbung verzichten.

Private: Auf Kosten der Medienvielfalt

Angesichts dieser Pläne geht der Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) auf die Barrikaden. Der VÖP sieht durch eine verlängerte Werbezeit "die Medienvielfalt in Österreich erheblich gefährdet". Das Vorhaben bedeute zudem eine "weitere Privilegierung des ORF gegenüber den privaten Mitbewerbern". Denn 2008 will Wrabetz auf die Gebühren für den öffentlich-rechtlichen Sender erhöhen. Neben diesen würde der ORF nun versuchen, auch noch seine zweite Finanzierungsquelle, die Werbeerlöse, auszuweiten - und zwar auf Kosten aller Privatsender in Österreich.

Protest kam am Montag auch von einigen in Österreich aktiven Privatsendern: Die Geschäftsführerin von Sat1-Österreich, Corinna Drumm sagte, dass der ORF schon jetzt immer wieder "an einem Tag weit mehr als die gesetzlich erlaubten 42 Minuten Werbung sendet". Dadurch, dass für die Betrachtung des Werbezeitenlimits im Gesetz ein Durchrechnungszeitraum von einem Jahr vorgesehen ist, sei eine Überprüfung und Sanktionierung von allfälligen Überschreitungen kaum möglich. "Wir fordern daher, den Durchrechnungszeitraum auf einen Monat zu reduzieren", so Drumm.

Puls 4-Geschäftsführer Markus Breitenecker forderte - "ähnlich dem Vorstoß des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy - eine Reduktion der Werbemöglichkeiten im ORF auf ein Minimum, um eine Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags zu garantieren". Sarkozy lässt derzeit die Möglichkeit prüfen, die Werbung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Frankreich völlig abzuschaffen.

ÖVP dagegen, SPÖ weiß von nichts

Ablehnung kommt auch seitens der ÖVP. Für ÖVP-Mediensprecher Franz Morak ist eine Ausdehnung der Werbezeiten "angesichts der Situation des ORF nicht vorstellbar". Sie würde "auf Kosten des öffentlich-rechtlichen Auftrags gehen". Er erinnerte auch daran, "dass Verleger und ORF nicht allein auf der Welt" sind und forderte, dass der VÖP in die Gespräche miteinbezogen wird. Außerdem liegen die Werbezeiten des ORF laut Morak im Vergleich mit anderen internationalen öffentlich-rechtlichen Sendern ohnehin im Spitzenbereich.

Im Büro der für Medien zuständigen Ministerin Doris Bures (SPÖ) weiß man von Plänen zur ORF-Werbezeitenausweitung nichts. "An uns wurde nichts herangetragen", sagte Sprecherin Susanna Enk. Eine dafür nötige Gesetzesänderung stehe daher in absehbarer Zeit nicht an.

ORF: Kein Kommentar

Der ORF wollte sich zu dem geplanten Vorhaben nicht äußern: "Es gibt gute Gespräche, die wir aber derzeit nicht kommentieren wollen", so Kommunikationschef Pius Strobl. Der VÖZ war vorerst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

(APA/Red.)