Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

OP-Termine: Computersystem soll Schacher verhindern

Die Presse (Clemens Fabry)
  • Drucken

Seit dem ersten Jänner ist in Wien ein System im Testbetrieb, das Vor- und Umreihungen bei Operationen nachvollziehbar macht.

Wien. Die permanente Experten-Kritik an der real existierenden Zwei-Klassen-Medizin in öffentlichen Spitälern zwingt nun offenbar die Verantwortlichen an den Schaltstellen des Gesundheitswesens zu einem Umdenken. „Presse“-Recherchen ergaben, dass in Wien seit wenigen Wochen an einem System gearbeitet wird, das die Praxis nicht nachvollziehbarer Vor- und Rückreihungen von Operationsterminen langfristig abstellen soll. Unnötig lange Wartezeiten von Kassenpatienten, oder „informelle“ Vorreihungen Privatversicherter will Wien damit langfristig ausschließen.

Konkret sind seit Jahresbeginn zwei parallel laufende Computersysteme im Probebetrieb. Darin müssen die behandelnden Ärzte alle OP-Termine und Vorbereitungen eintragen bzw. begründen. Da diese Wartelisten im Gegensatz zu den bisherigen Reihungen transparent und für alle Betroffenen einsehbar sind, wird Missbrauch zumindest erschwert.


„Lasten besser verteilen“

Eines der Projekte läuft in den Spitälern der Gemeinde Wien (Träger ist der Krankenanstaltenverbund KAV), das zweite umfasst sämtliche anderen Spitalsträger der Hauptstadt. Das System innerhalb des KAV wird derzeit in den Fachrichtungen Orthopädie, Neurochirurgie und Augenheilkunde eingesetzt, die anderen Betreiber sind derzeit nur in der Orthopädie miteinander vernetzt. Zu einem späteren Zeitpunkt ist eine Zusammenschaltung der OP-Datenbanken von KAV und Privatspitälern geplant. Die genannten Fächer sind übrigens jene, in denen es in der Praxis zu den längsten Wartezeiten kommt.

Susanne Herbek, Direktorin der KAV-Teilunternehmung Krankenanstalten, sieht in dem System – sofern es sich mittelfristig bewährt – gleich mehrere Vorteile. „Zum einen bringt es mehr Transparenz für alle Beteiligten, zum anderen können wir Beschwerden von Patienten künftig besser nachprüfen.“ Außerdem könnten so Doppelanmeldungen vermieden und die Lasten besser auf die Spitäler verteilt werden.

Zumindest theoretisch. In der Praxis scheitert die Durchführung von Operationen nämlich häufig an den unflexiblen Arbeitszeiten der Ärzte. Ein Umstand, der sogar vom Wiener Kontrollamt bemängelt wird. So sind die Operationssäle in manchen Spitälern nur halbtags in Betrieb, weil am Nachmittag Personal fehlt.

Die fragwürdige Vergabe und Umreihung von Operationsterminen in Wiens öffentlichen Spitälern war zuletzt von unterschiedlichen Seiten ins Kreuzfeuer geraten. Das Institut für Höhere Studien (IHS) fand heraus, dass 8 bis 15 Prozent aller Patienten von Ärzten angeboten wurde, Wartezeiten mit Zuzahlungen oder Privatordinationsbesuchen verkürzen zu können. Die Anti-Korruptions-Organisation Transparency International (TI) forderte sogar eine unabhängige Kontrollbehörde. Eine zentrale Datenbank von OP-Terminen – wie sie jetzt schrittweise eingeführt werden soll – fordert TI übrigens schon seit längerer Zeit. In Österreich gibt es ein derartiges System bisher nur an den Grazer Universitätskliniken.

Obwohl sich der KAV zum Handeln gezwungen sieht, will der Verein für Konsumenteninformation (VKI) keinen Handlungsbedarf bei der Terminvergabe von Fachärzten feststellen. Eine aktuelle Umfrage unter Patienten habe keine Probleme ans Licht gebracht.


Links und rechts verwechselt

Die Fehler der Vergangenheit (Lainz, Otto-Wagner-Spital, Kunstfehler, etc.) sollen im KAV übrigens auch langfristig zu einem Umdenken führen. So ging erst kürzlich ein eigenes Fehlerberichtssystem in Betrieb, dem Mitarbeiter anonym Probleme melden können, die von eigens ausgebildeten „Qualitätsmanagern“ gelöst werden müssen.

So wurde als erste Konsequenz auf eine Knieoperation auf der falschen Körperseite KAV-übergreifend eine neue Checkliste eingeführt. Sie soll sicherstellen, dass es in Zukunft bei Operationen keine Verwechslungen mehr zwischen links und rechts gibt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.01.2008)