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Das Loos-Haus, das fast niemand will

Das einzige Terrassenhaus von Adolf Loos steht seit Mitte 2006 zum Verkauf.

WIEN. In Büchern über Adolf Loos hat das Haus Scheu einen Fixplatz, ein ganzer Fotoband ist ihm gewidmet. 1912 hat der Wiener Architekt im Nobelbezirk Hietzing sein erstes Terrassenhaus erbaut, es ist gleichzeitig das einzige Europas. „Die Raumplanung“, ist Gabriele Kaiser vom Architekturzentrum Wien überzeugt, „war in ihrer Komplexität wegweisend.“

Seit Mitte 2006 steht das Haus Scheu zum Verkauf, für zwei Millionen Euro ist man dabei. Nicht viel, bedenkt man, dass Loos zu den wenigen herausragenden Architekten des Landes gehört und nur wenige Bauten hinterlassen hat. Trotzdem hat sich bislang kein Käufer gefunden.


„Wie ein teures Gemälde“

Immobilienmaklerin Gabrielle Heras-Gehart, die die Loos-Villa in der Larochegasse seit Mai 2006 in ihrem Portfolio hat, wundert das nicht. „Es ist, als würde man ein teures Gemälde auf den Markt geben, das nicht jedem gefällt.“ Schließlich sei das Haus in „relativ hartem“ Jugendstil errichtet, die Räume teils mit dunklem Holz verkleidet. Da das Haus denkmalgeschützt ist, darf es auch kaum verändert werden. Außerdem, so Heras-Gehart, sei es ziemlich renovierungsbedürftig. „Der Käufer müsste ein Kunst- und Architekturliebhaber sein, der nichts verändern will und bereit ist, viel Geld hineinzustecken.“ Angesichts solcher Voraussetzungen lockt eben nicht einmal der Name Loos Scharen von Interessenten.

Die hat sich die Hausherrin, Silvia Leodolter, aber sowieso nie erwartet. „Es ist klar, dass es für ein solches Haus nur einen kleinen Kreis von Interessenten gibt.“ Es hätten sich auch schon Kaufwillige gemeldet. Allerdings wollten sie das Haus aufstocken oder die Fenster austauschen – Pläne, die der Denkmalschutz unmöglich macht. Und so wohnt die Familie weiterhin in der 350 m2 großen Villa mit ebenso großem Garten, bis sich ein Käufer findet. Falls sich denn einer findet. Leodolter nimmt es, wie's kommt: „Wir müssen nicht unbedingt verkaufen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.03.2008)