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Wirschaftsethik: Moralisch bedenklich?

(c) AP (Armando Franca)
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Wer sich hier zu Lande allerdings in Sachen Wirtschaftsethik weiterbilden will, findet derzeit nur ein sehr dünnes Angebot vor.

Das Ansehen eines Unternehmens drückt sich längst nicht nur mehr in guten Bilanzen aus. Umweltverträgliche Produktion, gute Mitarbeiterführung oder ein ethisch korrekter Umgang von Managern mit ihren Gagen schlagen sich auch in der Kundenzufriedenheit nieder. Wer sich hier zu Lande allerdings in Sachen Wirtschaftsethik weiterbilden will, findet derzeit nur ein sehr dünnes Angebot vor. Während es an der Universität St. Gallen (CH) seit über zehn Jahren einen Lehrstuhl für dieses Fach gibt und auch in Deutschland immer mehr Professuren für Wirtschaftsethik geschaffen werden, gibt es an keiner einzigen wirtschaftlichen Fakultät in Österreich ein solches Angebot.


Ringvorlesung & Seminare

Ulrich Thielemann, Vizedirektor des Instituts für Wirtschaftsethik an der Uni St. Gallen, ist einer der Vortragenden einer Ringvorlesung zum Thema „Corporate Social Responsibility – Zur ökonomischen, ökologischen und sozialen Verantwortung von Unternehmen“, die dieses Semester von der Philosophischen Fakultät der Universität Wien angeboten wird. Organisatorin Helma Riefenthaler, ortet zwar ebenfalls ein wachsendes Interesse an dem Thema von Studierendenseite. „Ich würde aber nicht meinen, dass Österreich hier hinterherhinkt.“ Das komplexe und disziplinenübergreifende Fach könne derzeit einerseits von Seite der Ökonomik (wirtschaftliche Studienangebote), andererseits von Seite der Ethik (Studienrichtung Philosophie) bearbeitet werden. In diesem Rahmen könnten sich Doktoranden auf den Bereich Wirtschaftsethik spezialisieren. Auch an der WU gibt es einzelne Lehrveranstaltungen.

Weiter ist man an der in Klosterneuburg beheimateten Business School Vienna, wo im April das Seminar „Business Ethics“ angeboten wird. Die Veranstaltung richtet sich „sowohl an Studierende des MBA Business Information Management als auch an Manager“, so Sprecherin Karina Schneider. Sollte Interesse bestehen, will man im kommenden Studienjahr auch wieder eine „Business Ethics Academy“ anbieten. Der Lehrgang schließt mit dem Zertifikat „Certified Business Ethics Officer“ ab und vermittelt Standards, Methoden und Werkzeuge, die Unternehmen bei wirtschaftsethischen Herausforderungen unterstützen.

Diesen Lehrgang hatte die Business School Vienna übrigens bereits im Studienjahr 2006/07 auf seinem Lehrplan. „Das Angebot wurde auch mit viel Response aufgenommen – aber tatsächlich sind dann nur wenige gekommen“.


Internationale Masterstudien

Doch auch wer bereit ist, auf der Suche nach einem entsprechenden Lehrgang nach Deutschland auszuweichen, wird enttäuscht. Dort etablieren sich zwar zunehmend Lehrstühle für Wirtschaftsethik, postgraduale Studiengänge gibt es noch nicht.

Aus diesem Mangel heraus hat sich 2003 das Netzwerk sneep (Student Network for Ethics in Economics and Practice) gebildet, auf dessen Homepage internationale Angebote gelistet werden. Englischsprachige Master-Studien in „Business Ethics“ gibt es demnach an der Royal Holloway University of London (GB), der University of Birmingham (GB) sowie der University of Nottingham (GB), an der University of Bologna (Italien), der Linköpings Universitet (Schweden), der University of Boston (USA) sowie der University of Columbia (USA).

www.sneep.info

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.04.2008)