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Saudis drohen Den Haag mit Sanktionen wegen Islamkritik

(c) REUTERS (MICHAEL KOOREN)
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Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders verbreitet Aufkleber gegen den Islam. Riad stellt wirtschaftliche Strafen in den Raum.

Den Haag/Riad. Die diplomatischen Spannungen zwischen den Königreichen der Niederlande und Saudiarabien verschärfen sich: Nachdem der niederländische Populist und Islamkritiker Geert Wilders mit einer neuen Anti-Islam-Aktion Aufsehen erregt hat, will Saudiarabien Wirtschaftssanktionen gegen Den Haag. „Wir nehmen diese Drohungen aus Riad sehr ernst und beraten uns über eine Antwort“, sagte der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte am Wochenende.

Sein Stellvertreter, der Sozialdemokrat Lodewijk Asscher, war weniger diplomatisch: Er verteidigte den Rechtspopulisten Wilders und sagte: „In den Niederlanden besteht Meinungsfreiheit. Es ist glasklar, dass Herr Wilders nicht den Standpunkt der Regierung vertritt. Die Drohungen aus Saudiarabien nenne ich daher schwachsinnig.“

Wilders hatte Aufkleber drucken lassen mit der Aufschrift: „Der Islam ist eine Lüge. Mohammed ist ein Betrüger. Der Koran ist Gift.“ Der in Den Haag ansässige Botschafter des Golfkönigtums wurde aktiv und dürfte auch einige Aufkleber als Beweisstücke in sein Land geschickt haben. Als Hintergrund des Aufklebers dient die saudische Flagge.

Die saudische Regierung reagierte prompt. Es hagelte Protestbriefe, nicht nur an die Regierung, sondern auch an Handelskammern. Darin drohen die Saudis, niederländische Unternehmen in Zukunft bei Ausschreibungen ignorieren zu wollen. Es gab Drohungen, den Öltransport zu stoppen; das aber dürfte schwierig sein, weil das meiste Öl, das aus Saudiarabien nach Holland kommt und etwa im Rotterdamer Hafen gelöscht und verarbeitet wird, von großen privaten Ölkonzernen importiert wird, etwa von Royal Dutch Shell, BP oder Exxon. Auch drohen die Saudis, nicht einmal mehr niederländische Geschäftsleute einreisen lassen zu wollen.

 

„Sollten Saudiarabien boykottieren!“

Wilders reagierte nicht minder wild: „Saudiarabien ist eine Diktatur, ein schreckliches Land, das noch immer die Sklaverei kennt. Christen werden verfolgt. Saudiarabien ist der größte Finanzier des internationalen Terrors. Es werden Menschen exekutiert, die dem Islam den Rücken zukehren. Frauen dürfen dort nicht Auto fahren. Eigentlich hätten wir längst damit beginnen müssen, Saudiarabien zu boykottieren.“ (htz)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2014)