Oberyn und The Mountain im Duell

"Game of Thrones": Staffel vier, Folge acht

"The Mountain and the Viper": Sinnlose Gewalt, Abschiede und dieses Duell.

SPOILERWARNUNG: Ich verrate Details zur Handlung. Wenn Sie nichts über den Inhalt erfahren wollen, lesen Sie nicht weiter. Bitte hinterlassen Sie in den Kommentaren keine Spoiler, die die Handlung über diese Folge hinaus verraten.

"Today is not the day I die", sagt Oberyn "Viper" Martell, kurz bevor er in "The Mountain and the Viper" gegen "that thing", Gregor "The Mountain" Clegane, in den Ring steigt. Er irrt sich. Mit ihm stirbt eine meiner liebsten neuen Figuren in "Game of Thrones". Ein melancholischer Dionynos, der Gerechtigkeit für den Mord an seiner Schwester wollte. Sein Tod ist auch das Todesurteil für Tyrion, das Duell war schließlich ein "trial by combat". Hybris entschied. Oberyn, natürlich mit dem Zeichen seines Hauses, dem Speer bewaffnet, behielt lange die Überhand, unterschätzte aber Clegane, wuchtig in Rüstung, als der bereits am Boden lag. Beim Abschluss setzten die Macher auf Schockeffekte. Wer will schon sehen, wie einem Helden der Kopf zerquetscht wird? In den Büchern fand ich einen anderen Aspekt ohnehin viel brutaler: Wie Oberyn seinem Gegner vorwirft: "You raped my sister. You murdered her. You killed her children." The Mountain gesteht auch dort schließlich: "I killed her children then I raped her." Oberyns wichtigste Frage an seinen Gegner bleibt unbeantwortet (auch wenn die Antwort jeder weiß): "Who gave the order?"

Ein sinnloser, sinnlos brutaler Tod. Vielleicht spielte die Geschichte, die Tyrion seinem Bruder im Kerker erzählt und die ebenso wenig Sinn ergibt, darauf an. Sie handelt vom geistig behinderten Cousin Orson Lannister, der Käfer zerquetscht und schließlich von einem Pferd zu Tode getreten wird. Vielleicht sagt die Geschichte aber nur etwas über Tyrion aus: Er will den Dingen wirklich auf den Grund gehen.

Übermäßig brutal fand ich auch die Szenen in Molestown nahe der Wall, genauer gesagt, das Blut, das durch die Bodenritzen tropft. Zumindest werden Gilly und dem Baby kein Haar gekrümmt. Die Wildlings sind also am Weg zum Castle Black, aus dem Süden und sicher auch aus dem Norden. Die Preisfrage ist eine fürs Finale: "How do 102 men stop ten thousands?"

Welch schöne Abwechslung, wenn "Game of Thrones" zwischendurch auch so sanfte Töne anschlägt wie bei Grey Worm und Missandei. Einmal geht es um aufkeimende Liebe und nicht um Lust oder Gier. Neben all den Abschlacht- und Duell-Szenen geht eine ganz entscheidende Entwicklung fast unter: Daenerys verliert ihren wichtigsten Berater, als Jorah Mormont als (ehemaliger) Spion für Varys aufgedeckt wird. Reicht "The Hand of the King" tatsächlich bis nach Meereen oder könnte Varys selbst seine Finger im Spiel haben? Egal, Mormonts Abschied wird Daenerys schaden, da bin ich mir sicher.

"I know what you want"

Erstaunlich leicht kommt Littlefinger mit dem Mord an seiner Frau Lysa Arryn davon. Warum hat Sansa wirklich für ihn gelogen? "I know what you want", sagt sie und sieht ihn durchdringend an. Später trägt sie einen für sie ungewöhnlich tiefen Ausschnitt. Meint sie, was ich meine? Ist ein Mann, dieser Mann wirklich leichter berechenbar als eine eifersüchtige Tante? Sansa scheint ihre kindliche Unschuld jedenfalls endgültig abzulegen. Ich bezweifle aber, dass Littlefinger unter Kontrolle zu bringen ist.

Pechvogel Arya steht nach dem Tod ihrer Tante vor verschlossenen Toren - und kriegt einen hysterischen Lachkrampf, denn sie verpasste auch ihre Mutter nur knapp.

Eine auf perverse Art rührende Szene gab es im Norden: Roose Bolton nimmt seinen Bastard-Sohn Ramsay Snow an und macht ihm zu seinem legitimen Sohn Ramsay Bolton. Freilich erst, nachdem dieser Papa ein Geschenk gemacht hat und das hübsche Moorschloss Moat Cailin mithilfe von Reek/Theon eingenommen hat. Dann, endlich, nach so vielen Szenen, geht es "home", wie Theon sagt: Es gibt ein Wiedersehen mit Winterfell. Leider ohne Starks. Aber die können ja noch kommen.

ZITAT der WOCHE

  • Littlefinger: "Sickly little boys often become powerful men."

TRÖSTENDES

  • Im echten Leben sind The Viper und The Mountain Kumpel, also "Buds"

Siehe dieses Foto

 

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Redaktioneller Hinweis: Die aktuellen "Game of Thrones"-Folgen werden dem Autor vom Sender Sky zur Verfügung gestellt, der die Serie in Österreich einen Tag nach der Erstausstrahlung in den USA zeigt.