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Geologe: "Höhlenforscher leisten wichtige Grundlagenarbeit"

A replica of pre-historic engravings showing a horse and an owl are seen on wall at the site of the Cavern of Pont-d'Arc project in Vallon Pont d'Arc
A replica of pre-historic engravings showing a horse and an owl are seen on wall at the site of the Cavern of Pont-d'Arc project in Vallon Pont d'ArcREUTERS
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Der Geologe Christoph Spötl über die Bedeutung der Höhlenforschung für die Wissenschaft.

Wie wissenschaftlich ist die Höhlenforschung in Österreich?

Spötl: Wenn man von Wissenschaftlern spricht, sind in der Regel diejenigen gemeint, die Wissenschaft an Institutionen wie Universitäten oder Museen betreiben. Höhlenforscher, die in ihrer Freizeit mit eigenen Mitteln und viel Engagement aktiv sind, liefern wissenschaftlich relevante Daten, die wir sonst nicht hätten.

 

Wie funktioniert die Kooperation zwischen den Höhlenforschern an Forschungseinrichtungen und denen, die in ihrer Freizeit über die Landesvereine organisiert sind?

Private Höhlenforscher suchen in erster Linie neue Höhlen und Fortsetzungen in bereits bekannten Höhlen und vermessen und dokumentieren sie. Hier leisten sie wichtige Grundlagenarbeit, denn diese Daten sind wertvoll für die weitergehende Untersuchung. Proben nehmen sie normalerweise nicht, Österreichs Höhlen stehen ja alle unter Naturschutz. Gibt es interessante Entdeckungen, kontaktieren sie uns oder die Karst- und höhlenkundliche Abteilung im Kunsthistorischen Museum in Wien. Freilich ist es ein Glücksfall, wenn wir so etwa an mineralogische Funde kommen.

 

Wie viele Höhlenforscher gibt es in Österreich im akademischen Bereich?

An den österreichischen Wissenschaftseinrichtungen gibt es nicht mehr als etwa eine Handvoll Geologen, Biologen oder Ökologen, die sich mit Höhlen befassen. Eine sehr überschaubare Gruppe also, die mit den etwa 15.000 Höhlen in Österreich allein völlig überfordert wäre.

 

Betreuen Sie auch wissenschaftliche Abschlussarbeiten in Zusammenarbeit mit den Höhlenforschern?

Ja, erst diesen Winter wurden zwei Masterarbeiten abgeschlossen. Dabei ging es um Quellen am Untersberg bei Salzburg. Untersucht wurde etwa, wie lang das Wasser in diesem höhlenreichen Berg verweilt. Das ist zum Beispiel bei Verschmutzungen relevant, auch wenn diese schon länger zurückliegen. Die Fürstenbrunner Quelle ist seit Jahrhunderten die Haupttrinkwasserquelle für Salzburg.

 

Wo genau liegt der Fokus ihrer Forschung?

Die Erkenntnis, dass wir von Tropfsteinen viel über die Vergangenheit in Bezug auf das regionale Klima lernen können, steht im Mittelpunkt. In vielen Höhlen haben sich Tropfsteine gebildet, die aus dünnen Schichten aufgebaut sind. Richtig behandelt sind sie lesbar wie ein Buch und geben Aufschlüsse, wie das Klima bei uns einst war. Das ist wie ein weltweit gesuchtes Archiv für die Klimaforschung, das hunderttausende Jahre zurückreicht.

 

Sie sind Wissenschaftler und auch als Höhlenforscher aktiv, was fasziniert sie persönlich im Berg?

Neben der wissenschaftlichen Erkenntnis ist es unglaublich beeindruckend, unterirdische Hallen und Gegenden zu betreten, die niemand zuvor gesehen hat. Insofern ist es Entdeckerlust. Aber auch die großartige Kameradschaft, wie man zuletzt bei der Rettungsaktion im Untersberg gesehen hat.

Christoph Spötl
ist Leiter der Arbeitsgruppe für Quartärforschung an der Uni Innsbruck. Er studierte Erdwissenschaften und promovierte in Geologie. 1999 erhielt er den Start-Preis des Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF. 2004 wurde er zum Professor für Quartärforschung berufen. Seit 2013 ist er wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.06.2014)