Schnellauswahl

Zuerst die Arbeit, dann der Spaß: Spielend lernen in den Ferien

THEMENBILD: SCHULSCHLUSS / FERIENBEGINN
THEMENBILD: SCHULSCHLUSS / FERIENBEGINNAPA/ROLAND SCHLAGER
  • Drucken

Ein Nachzipf versüßt niemandem den Sommer, immerhin nützen Kinder die Ferien sinnvoll zum Stoffnachholen. Mehr Spaß machen lernfreie Camps.

Es ist ein bisschen wie im Fußball – die Meisterschaft ist geschlagen, aber um den Aufstieg in die nächsthöhere Spielklasse zu schaffen, steht noch eine Play-off-Runde an. Doch während die Fußballer die Entscheidung noch vor der Sommerpause hinter sich bringen können, müssen Schüler, die den Aufstieg noch nicht fix in der Tasche haben, bis zum Sommerende warten. Was ja auch einen Sinn hat, nämlich die Möglichkeit, während der Ferien den Stoff nachzuholen, an dem man gescheitert ist.

Das bedeutet aber nicht, dass der Sommer deswegen von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. So manche Nachhilfe kann auch Urlaubscharakter haben. Mehrere Einrichtungen bilden eigene Nachhilfecamps an, bei denen Kindern und Jugendlichen neben dem Lernen auch sportliche Aktivitäten geboten werden. So veranstaltet etwa der Nachhilfeanbieter Lernquadrat regelmäßig das Funquadrat (funquadrat.at), ein zweiwöchiges Lerncamp im Lungau. Auch der Feriencampveranstlater Brainsports bietet mehrere Varianten an mehreren Standorten an, bei denen Schüler in unterschiedlichen Altersgruppen gemeinsam den Stoff auffrischen – und daneben Sport machen können. Die meisten derartigen Nachilfecamps finden übrigens im August statt – damit man nach der Schule zunächst einmal durchschnaufen kann. Und noch genügend Zeit bleibt, um sich auf das Play-off vorzubereiten.

Die etwas angenehmere Variante sind freilich Feriencamps, in die man keine Schulbücher mitnehmen muss. Neben institutionellen Einrichtungen wie Jungschar oder Pfadfinder gibt es eine Unmenge an privaten Campanbietern. Wer sich da zurechtfinden will, vertraut am besten auf Mundpropaganda von Freunden.


Ein richtig langer Sommer. Eine mehr als 125-jährige Geschichte hat der Ferienhort am Wolfgangsee. In einem schönbrunnergelben, schlossartigen Gebäude vor der Falkensteiner Wand (nach St.Wolfgang) verbringen jedes Jahr rund tausend Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren den Sommer. Seit 1888 ermöglicht der Verein vor allem Stadtkindern (wenn auch lange Zeit nur Buben) Ferien in der Natur – billig ist das Angebot nicht unbedingt, es gibt aber Zuschüsse für weniger wohlhabende Familien. Heute werden Campvarianten von einer bis zu sechs Wochen angeboten (ferienhort.at). Der Schwerpunkt liegt auf Wassersport, wobei ein Highlight die Segel- und Ruderbeiboote aus k.u.k. Marinezeiten sind. Auf Kuttern, die Namen wie Leopard, Tiger, Hans und Alfred tragen, fahren die Kinder täglich auf den See. Den Segel-A-Schein kann man hier ebenso machen wie den Surfschein. Lagerfeuer, Wanderungen und Ausflüge nach Salzburg gehören auch dazu.

Die Dauer von mehr als vier Wochen schreckt manche Eltern (und Kinder) ab, gerade diese ermöglicht den Kindern aber, richtig auszuspannen und Freundschaften fürs Leben zu finden. Der (Auslands-)Urlaub mit den Eltern, der für viele Höhepunkt des Sommers ist, kann (vor allem in der Pubertät) nach dem wochenlangen Gemeinschaftsleben mit Gleichaltrigen manchmal kaum mithalten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.06.2014)