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Inuit pochen auf Mitsprache bei Entwicklung der Arktis

Arktis Nordost
Arktis Nordost(c) ORF (Thomas Ramstorfer)
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Ureinwohner des Nordpolargebiets fürchten die Ausbeutung der Naturreserven und organisieren sich grenzüberschreitend.

Ottawa. Angesichts des wachsenden internationalen Interesses an der Arktis und ihrer wirtschaftlichen Nutzung unterstreichen die Inuit ihren Anspruch, die Zukunft des Nordpolargebiets aktiv mitzugestalten. Ob Rohstoffförderung, Schifffahrt oder Fischfang – sie wollen, dass ihre sozialen, ökonomischen und ökologischen Interessen respektiert werden. Großprojekte müssten von Abkommen begleitet werden, die „direkten und substanziellen Nutzen bringen“, fordern sie.

In der kanadischen Arktisstadt Inuvik, die im Delta des Mackenzie River an der Beaufort-See liegt, einem erdöl- und erdgasreichen Sektor des Arktischen Ozeans, beraten in dieser Woche Inuit-Delegierte aus vier Arktisstaaten unter dem Motto „One Arctic – One Future“ (eine Arktis, eine Zukunft) über den Kurs ihrer Organisation, des „Inuit Circumpolar Council/ICC“. Der ICC vertritt die Interessen der 150.000 Inuit (Eskimo), die in Kanada, Alaska, Grönland und der sibirischen Tschuktschen-Region leben.

Der ICC ist eine der Ureinwohnerorganisationen, die als „permanente Teilnehmer“ bei Beratungen des Arktischen Rates (Arctic Council) der acht Arktisstaaten Kanada, USA, Russland, Dänemark-Grönland, Schweden, Finnland, Norwegen und Island mit am Verhandlungstisch sitzen.

 

Wachsender Druck auf Naturreserven

„Die Zeiten, in denen die Inuit nur abseits stehende Beobachter waren, sind vorbei“, sagte Okalik Eegeesiak, Vorsitzende der regionalen kanadischen Inuit Organisation Qikiqtani Inuit Association. Die 53-jährige Inuk-Frau aus Iqaluit übernimmt jetzt den ICC-Vorsitz von Aqqaluk Lynge aus Grönland. „Wir sind Partner“, sagt sie an die Adresse von Unternehmen und Regierungen gerichtet, die auf den Rohstoffreichtum der Arktis blicken. Die konservative Regierung Kanadas setzt massiv auf den Ausbau der Rohstoffförderung in der Arktis.

„Von Grönland bis zur Tschukotka, von Alaska zur kanadischen Arktis, wir sind eine Arktis“, erklärt Duane Smith, Vorsitzender des kanadischen Zweigs des ICC. Er nannte die jetzige ICC-Generalversammlung, die im vierjährigen Turnus stattfindet, wegen des internationalen Interesses an der Nordpolregion, die wichtigste seit Gründung des ICC 1977. Er sprach vom wachsenden Druck von außen „auf unsere Naturressourcen“ und die anhaltende Bedrohung von Inuit-Land durch Klimawandel und Schadstoffe. Die Staatengemeinschaft müsse wissen, „dass wir nicht hier sind, nur um zu überleben, sondern um zu gedeihen“.

 

Arktis ist reich an Bodenschätzen

Nach Berechnungen des geologischen Dienstes der USA könnten bis zu 13Prozent der unentdeckten Ölreserven und 30Prozent der unentdeckten Gasreserven der Welt in der Arktis liegen, vor allem im küstennahen Gebiet oder auf dem Festland. Zudem ist die Arktis reich an Gold, Diamanten, Eisenerz, Basismetallen und Uran.

Im Norden der Baffin-Insel wird eine Eisenerzmine mit sehr hohem Eisengehalt gebaut, in Grönland wird die Erschließung von Rohstoffvorkommen gefördert, und Russlands Arktis ist seit Jahrzehnten für seinen Reichtum an Basismetallen bekannt. Die Wasserwege durch die kanadische Arktis, die Nordwestpassage, und die nördliche Seeroute entlang der sibirischen Küste werden für die Schifffahrt interessant. Hinzu kommt die wachsende Zahl an Kreuzfahrten. Die Sorge, dass Ölseuchen nach Schiffshavarien das Ökosystem beschädigen könnten, geht um. Abkommen in Alaska und Kanada räumen den Inuit über Landrechte genau definierte Mitspracherechte ein. In Kanada müssen sie bei allen größeren Projekten gehört werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.07.2014)