Türkei: Vizepremier fordert Lachverbot für Frauen

Turkey's Prime Minister Erdogan speaks during a news conference at Ataturk International Airport in Istanbul
Vizepremier Arinç, links im Bild, mit Premier ErdoğanREUTERS

Bülent Arinç ist weibliche Heiterkeit in der Öffentlichkeit ein Dorn im Auge. Premier Erdogan soll und will unterdessen einen jüdischen Preis zurückgeben.

Ein Vorschlag des türkischen Vizepremiers, Bülent Arinç, sorgt für viel Kritik: Weil er einen Sittenverfall im Land orte, wolle Arinç den Frauen Lachen und Heiterkeit in der Öffentlichkeit verbieten, berichten türkische Medien. „Wo sind unsere Mädchen, die erröten, ihren Kopf senken und wegschauen als Symbol der Keuschheit, wenn wir ihnen ins Gesicht sehen?", so Arinç. Um die Tugendhaftigkeit zurückzuerlangen, soll man im Koran lesen und weniger fernsehen; Serien würden zu einer Sexabhängigkeit führen. Kritik an Arinçs Aussagen kam von Frauenorganisationen und der Opposition.

Anti-Israel-Stimmung

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan will unterdessen einen Preis zurückgeben: Vor genau zehn Jahren hat er vom American Jewish Congress den „Courage"-Preis erhalten - für seinen Einsatz gegen Terrorismus, Extremismus und sein Bemühen, eine friedliche Lösung im Nahost-Konflikt zu finden, wie die Jury damals ihre Wahl begründete. Nun aber, schrieb kürzlich der Präsident des Kongresses, Jack Rosen, sei Erdoğan zum virulentesten Anti-Israel-Wortführer geworden - und forderte die Rückgabe des Preises.

Erdoğan gebe den Preis gern zurück, heißt es nun in einer Mitteilung des türkischen Botschafters in den USA: Serdar Kiliç weist in dem Schreiben darauf hin, dass Erdoğan aber auch weiterhin gegen Extremismus und Schutz der jüdischen Minderheit in der Türkei stehe. Gleichzeitig wolle der Premier die Augen vor der Unterdrückung des palästinensischen Volkes nicht verschließen. In der Türkei verschärfte sich zuletzt die Anti-Israel-Stimmung, die türkisch-jüdische Gemeinschaft zeigte sich besorgt über antisemitische Ausfälle. Erdoğans umstrittener Sager zum Gaza-Konflikt - er verglich den Militäreinsatz Israels mit den Taten Hitlers - führte schließlich dazu, dass der American Jewish Congress den Preis zurückverlangte.