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Nationaler Baby-Schwund schreckt Serbien

Frauenhand und Baybfinger
Frauenhand und Baybfinger(c) www.BilderBox.com (www.BilderBox.com)
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Demografen schlagen Alarm: Die Geburtenrate ist noch unter das Niveau während der beiden Weltkriege gesackt. Die serbische Bevölkerung droht unaufhaltsam zu vergreisen – und zu schwinden.

Belgrad. Eine Sorge kommt auch auf dem Balkan selten allein. Zu den Entbehrungen der seit Jahren währenden Krise gesellt sich in Serbien die Angst um den Fortbestand der Nation. Wenn sich der Trend der fallenden Geburtenrate fortsetze, werde Serbiens Bevölkerung von derzeit 7,1 Millionen Menschen in 50 Jahren auf die Hälfte schwinden, schreibt das Boulevardblatt „Alo!“ und nennt das besorgt eine „schwarze Statistik“: „Es wird gerade noch genug Serben geben, um unter dem Birnbaum zu sitzen.“

Nur noch 65.000 serbische Einwohner zählte der Geburtsjahrgang 2013 – 60 Jahre zuvor waren es noch um 100.000 mehr. Seit 1900 wurden nicht mehr so wenige Kinder geboren wie im vergangenen Jahr. Selbst während der beiden Weltkriege und der Jugoslawien-Kriege der 1990er-Jahre erblickten deutlich mehr Erdenbürger das Lebenslicht als heute. Und nur in acht von 168 Kommunen übertrifft die Geburtenrate noch die Sterbeziffer.

Obwohl die Lebenserwartung in Serbien nur bei 74 Jahren und damit sieben Jahre unter der in Westeuropa liegt, ist das Durchschnittsalter des vom Nachwuchsmangel geplagten Balkanstaats daher auf 42,2 Jahre und damit auf westliches Niveau geklettert.

Wirtschaftliche Gründe, die hohe Arbeitslosigkeit von fast 30 Prozent und die unsicheren Zukunftsperspektiven werden von einigen Experten als Erklärung für die sinkende Geburtenrate angeführt: Wer nicht wisse, wie er seine Kinder ernähren solle, und mit 35 Jahren noch immer arbeitslos zu Hause bei den Eltern sitze, setze einfach weniger Nachwuchs in die Welt, so die These. Andere wenden ein, dass die Vielvölkerregion des Balkans auch früher von Armut geplagt worden sei. Den „Egoismus“ und „Hedonismus“ der heutigen Zeit macht deshalb der Psychiater Jovan Coric für den Baby-Schwund verantwortlich: „Serbien war nie reich. Auch unsere Eltern und Großeltern plagten sich in Armut ab. Aber Kinder hatten für sie noch Priorität.“

Ob Serbiens einstiger Kinderreichtum tatsächlich immer gewollt war, ist nachträglich nur schwer zu ergründen. Sicher ist, dass bis auf das „junge“, daher geburtenstarke Nachbarland Kosovo fast alle Staaten der Region über das durch die anhaltende Emigration zusätzlich verschärfte Problem des Bevölkerungsschwunds klagen.

 

Abwärtsspirale in Kroatien

1997, direkt nach Ende des Kriegs, wies etwa Kroatien zum letzten Mal einen leicht positiven Geburtssaldo auf. Im Vorjahr übertraf die Zahl der Verstorbenen die der Geburten schon um ein Drittel. Dieser Trend werde sich „noch intensivieren“, warnt der Zagreber Demograf Stephan Sterc. Das Land sei in eine demografische Abwärtsspiele geraten. Und weiter: „Irgendwelche positiven demografischen Veränderungen sind in diesem Prozess ohne ernsthaftes politisches Gegensteuern nicht möglich.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.08.2014)