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Freizeit: Mountainbiker fordern Wegefreiheit

Mountainbiker fordern Wegefreiheit
Mountainbiker fordern Wegefreiheit(c) Bilderbox
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Mehrere Initiativen werben für die generelle Freigabe der Wälder für Radfahrer, denn: Im Vergleich zu anderen Freizeitsportlern fühlt sich die Bike-Gemeinde vom Gesetz benachteiligt.

Lilienfeld. Spazieren, wandern, laufen, ja sogar langlaufen: Wer in Österreichs Wäldern Erholung sucht, soll sie bekommen. So garantiert es das Forstgesetz.

Anders sieht es aus, wenn dieselben Personen auf das Mountainbike wechseln. Ist der befahrene Weg nämlich nicht ausdrücklich nur Nutzung freigegeben, drohen hohe Strafen. Ein Zustand, den nun mehrere Initiativen ändern wollen.

Am meisten Bewegung in die Debatte bringt derzeit der Verein Upmove mit dem ehemaligen Radprofi Gerhard Zadrobilek als Präsidenten an der Spitze. Upmove fordert eine generelle Wegefreiheit für Mountainbiker auf großen und kleinen Waldwegen. Als Vorbild dient die Regelung für Wanderer genauso wie die Freigabe von Waldwegen für Biker im benachbarten Ausland. Funktionieren soll das über eine Änderung des Forstgesetzes. Mithilfe einer parlamentarischen Bürgerinitiative will Upmove den Gesetzgeber zumindest so weit bringen, dass das Thema im Parlament behandelt werden muss. Ganz ähnliche Forderungen verfolgen die niederösterreichischen Naturfreunde sowie der Verein Wienerwaldtrails mit einem Förster und Boku-Wissenschaftler an der Spitze.

Die Argumente der Reformer sind durchaus beachtenswert. Als Paradebeispiel für die Auswüchse der aktuellen Rechtslage dient eine Episode, die vor genau einem Jahr am bei Freizeitsportlern beliebten Muckenkogel in der Nähe von Lilienfeld ihren Ausgang nahm. Bei einer Almmesse waren auch vier Mountainbiker anwesend. Diese störten den Jagdpächter, Mitglied einer prominenten Wiener Hoteliersfamilie, so sehr, dass er das Quartett auf 15.000 Euro und Unterlassung klagte. Das fast 40 Jahre alte Forstgesetz machte es möglich.

Nicht zu Unrecht bemängeln Kritiker nun: Wie kann es sein, dass laut Forstgesetz vier Mountainbiker, die eine mündliche Durchfahrerlaubnis des Grundeigentümers hatten, eine Störung für das Wild darstellen sollten, die zahlreichen anderen Besucher und die Jäger, die mit ihren Geländeautos auf die Alm gefahren waren, jedoch nicht? Der Fall warf in Lokalmedien ein derart fatales Bild auf den betroffenen Prominenten, dass dieser einem Vergleich zustimmte.

 

Forschung gegen Vorurteile

Dabei wird der – angeblich besonders schädliche – Einfluss der Mountainbiker auf Waldboden und Wild wissenschaftlich längst kritisch hinterfragt. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald fand etwa heraus, dass Verbissschäden, die durch die Störung des Biorhythmus der Tiere entstehen, eher durch die Jagd selbst (Gewehrknall) als durch Sporttreibende verursacht werden. Im Rahmen einer Forschungsarbeit der Universität des Saarlandes stellte sich heraus, dass sich insbesondere in intensiv genutzten Wäldern die Wildtiere längst an die Mountainbiker gewöhnt haben. Und Mitarbeiter der kanadischen University of Guelph schrieben in einer wissenschaftlichen Publikation bereits vor Jahren, dass das Mountainbiken auf Wegen dem Boden nicht mehr Schaden zufüge als Wandern. Sind damit alle kritischen Stimmen automatisch ungerechtfertigt?

Nein. In den großen Vereinen und Interessenvertretungen der Bikerszene weiß man, dass man die Skepsis hauptsächlich den wenigen schwarzen Schafen aus den eigenen Reihen zu verdanken hat, die einerseits Fußgänger provozieren, andererseits bei Stürzen auf Wegen sogar noch den Wegerhalter in die Haftung nehmen. Oder es zumindest versuchen. Der „Presse“ ist so ein Fall aus dem Bezirk Tulln bekannt.

Bei Österreichs größtem Waldbesitzer, den Bundesforsten, hält man – auch deshalb – die jetzige Gesetzeslage nach wie vor für „sinnvoll“. Man versuche aber, so das Unternehmen, einen vernünftigen Ausgleich für alle Interessen zu finden, Radfahrer, Reiter und Fußgänger wo möglich zu trennen. Insgesamt wären so in den vergangenen Jahren allein im Einflussbereich der Bundesforste 2100 Kilometer an Mountainbikestrecken zusammengekommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2014)