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Konjunkturschwäche: Wirtschaft legt Kriechgang ein

EZB-Neubau in Frankfurt am Main
EZB-Neubau in Frankfurt am Main(c) APA/dpa/Boris Roessler (Boris Roessler)
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Die OECD fährt ihre Konjunkturprognose für die Eurozone dramatisch zurück, warnt vor einem Börsencrash und fordert die EZB zu schärferen Antikrisenmaßnahmen. Auch Österreich droht ein Wachstumseinbruch.

Paris/Wien. Wer bietet weniger: Die Konjunkturprognosen werden derzeit mit atemberaubender Geschwindigkeit zurückgenommen. Zu Wochenbeginn hat die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) ihre Vorhersage für die Eurozone teils dramatisch nach unten geschraubt. Und die Bank Austria hat ihre zuletzt vor einem Monat reduzierte Konjunkturprognose für Österreich noch einmal gekappt.

Bleiben wir zuerst im Land: Die Bank Austria rechnet für heuer mit nur 0,6 Prozent realem Wirtschaftswachstum. Vor einem Monat sind die Banker noch von 0,8 Prozent Zuwachs ausgegangen. Selbst das lag schon weit unter den derzeit gültigen Prognosen von Wifo und IHS (1,4 bzw. 1,5 Prozent).

Die beiden Prognoseinstitute werde ihre nächste Vorschau Ende September jedenfalls scharf zurückfahren. Die Nationalbank hat das schon Ende August getan und ihre Prognose für heuer von 1,6 auf 0,9 Prozent nahezu halbiert.

Schuld an der misslichen Lage ist die schlechte Verfassung der Weltkonjunktur, speziell jener im Euroraum. Die Eskalation der Krise in der Ukraine und im Mittleren Osten dämpft die Aussichten zusehends. Das wird die heimische Wirtschaftsleistung bis zum Jahresende noch deutlich abbremsen.

(C) DiePresse

Danach werde sich die Lage allerdings – bei weiter bestehendem „erheblichem Abwärtsrisiko“ – aufzuhellen beginnen, sodass für das kommende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent zu erwarten sei, heißt es bei der Bank Austria. Wifo und IHS haben im Juni noch 1,7 bzw. 1,9 Prozent BIP-Wachstum prophezeit.

Die Prognosen beruhen freilich auf dem Prinzip Hoffnung – und dürften deutlich zu hoch gegriffen sein. Die OECD hat ihre Vorhersage für das Wirtschaftswachstum des Euroraums im kommenden Jahr geradezu dramatisch gesenkt. Nämlich von 1,7 auf 1,1 Prozent. Heuer dürfte das Eurozonen-BIP real nur noch um 0,8 Prozent wachsen. Zuletzt ist die OECD von 1,2 Prozent ausgegangen.

Ein schwächeres Wirtschaftswachstum als noch zuletzt prognostiziert erwartet die OECD freilich für fast alle großen Wirtschaftsräume. So wurden die Wachstumsaussichten für die USA für heuer von 2,6 auf 2,1 Prozent und für 2015 von 3,5 auf 3,1 Prozent zurückgefahren. Auch in Japan hat sich die Konjunktur verlangsamt, wenngleich nicht so dramatisch wie in Europa. Japan dürfte heuer und 2015 Wachstumswerte ähnlich jenen der Eurozone aufweisen.

 

EZB soll noch mehr tun

Konjunkturell halbwegs halten können sich nur China (7,4 Prozent heuer und 7,3 Prozent im kommenden Jahr) und Indien, dessen Wachstumsprognose für heuer sogar kräftig von 4,9 auf 5,7 Prozent angehoben wurde. Allerdings läuft es auch in den Emerging Markets nicht überall rund: Für Brasilien wurde die Prognose geradezu dramatisch von 1,8 auf 0,3 Prozent gesenkt.

Angesichts der rapid verschlechterten globalen Wirtschaftslage stellt die OECD die Gefahr eines Börsencrash in den Raum: Die anhaltende Rekordjagd an den Börsen deute darauf hin, dass die Risken möglicherweise nicht richtig eingeschätzt werden, hieß es gestern. Und: Die Robustheit der Finanzmärkte stehe im Widerspruch zur erheblichen Verschärfung der Risken.

Die deutlich schlechteren Prognosen bestätigen die Intensität, mit der die EZB neuerdings Geld in die Märkte pumpt. Die OECD hat die Maßnahmen der EZB (erneute Zinssenkung, Ankaufsprogramme für Asset Backed Securities, ABS, von den Banken) begrüßt, hält das aber noch nicht für ausreichend. Die EZB soll sich auch ein Staatsanleihen-Ankaufsprogramm überlegen, hieß es. Experten haben zuletzt aber auch vor den Risken des EZB-Programms gewarnt. So bestehe die Gefahr, dass die Banken der Notenbank vor allem die riskanten ABS-Papiere andienen – und die Euronotenbank damit zu einer Art riesiger Bad Bank umfunktionieren. (ju/Red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.09.2014)