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Eine Bühne für die Forschung

Auszeichnungen. Wo das Wissen der Firmen endet, beginnt die Arbeit der 19 Institute der Austrian Cooperative Research (ACR). Zum 60-Jahr-Jubiläum wurden die besten Projekte von 2014 prämiert.

Was verbindet das Bolschoi-Theater in Moskau und das Wiener Ronnacher? Ihre Stars spielen auf Bühnen, für die wichtige Bauteile aus Österreich kommen. Die Vorarlberger Antriebstechnikfirma Zimm verkauft Spindelhubgetriebe in alle Welt. Bei diesen Hubsystemen müssen sogenannte Schneckenräder große Beanspruchungen aushalten. Gemeinsam mit dem Forschungsunternehmen V-Research entwickelte man das Material für das Getriebeteil weiter. Dafür gab es nun einen der drei Kooperationspreise der Austrian Cooperative Research (ACR), die heuer ihr 60-jähriges Bestehen feiert.

Die Arbeit der 19 ACR-Institute beginnt da, wo die Expertise der Firmen endet. „Gerade Klein- und Mittelbetriebe haben oft keine eigene Innovationsabteilung“, so ACR-Präsident Martin Leitl bei der Jubiläumsfeier am Montag. Die ACR bietet als Netzwerk für die anwendungsorientierte Forschung ein breites Angebot: Die Mitgliedseinrichtungen befassen sich mit Bau- und Umwelttechnik genauso wie mit Energietechnik, Natur- und auch Sozialwissenschaften.

„Wir machen viel F&E im eigenen Haus. Da, wo wir anstehen, wenden wir uns an V-Research“, sagt Zimm–Produktentwickler Georg dall'Armi. Die für Hubsysteme wichtigen Schneckenräder wurden bislang aus Bronze gefertigt. Das war teuer, der Werkstoff sollte daher ersetzt werden. Wie sieht nun die Lösung für das Schneckenrad, das die Bühnen der Welt tragen kann, konkret aus? „Das ist aus Stahl, mit einer Beschichtung auf Polymer-Basis“, sagt Alexander Diem von V-Research. Mehr verraten die Verantwortlichen aber nicht – Industriegeheimnis.

Eine Bühne für die Forschung gab es auch für die beiden anderen Siegerprojekte – die von der ACR gemeinsam mit dem Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium vergebenen Kooperationspreise werden übrigens nicht gereiht.

 

Tunnel und Brücken sanieren

Ebenfalls ausgezeichnet wurde ein Projekt der steirischen Baufirma Junger mit dem Forschungsinstitut der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie: Zwar galt Beton im Straßenbau lange Zeit als unverwüstlich, tatsächlich sind Sanierungen aber alle 20 bis 25 Jahre notwendig. Speziell in den 1960er- und 1970er-Jahren gab es einen Bauboom bei Autobahnen, bei vielen Tunneln und Brücken sind daher Instandhaltungsarbeiten notwendig. „Der Stand der Technik war hier nicht zufriedenstellend“, sagt Günter Vogel, Geschäftsführer der Firma mit Sitz in Irdning. Ziel der Entwicklungsarbeit war, dass sich bei Sanierungen alter und neuer Beton ideal miteinander verbinden. Das Erfolgsgeheimnis: eine möglichst feine Oberfläche herzustellen, die aber ausreichend rau ist, damit das neue Material gut haftet.

Das dritte Siegerprojekt stimmt bereits auf den nahenden Winter ein: In jedem dritten Neubau wird eine Pelletsheizung eingebaut, damit liegt Österreich im Europa-Vergleich ganz vorn. Zwar musste der Lagerraum für die Pellets schon bisher vom Heizraum getrennt sein. Damit ein Feuer nicht übergreifen kann, entwickelten die Salzburger Firma AWF und das Linzer Institut für Brandschutztechnik und Sicherheitsforschung ein Brandschutzpaket. Kern der Idee ist eine Brandschutzmanschette in den Förderschläuchen für die Pellets, die sich bei Hitze ausdehnt und so die Räume voneinander abschottet.

Prämiert wurde auch das beste Forschungsprojekt einer Forscherin im ACR-Verbund: Physikerin Mihaela Albu erhielt für die Entwicklung neuer Analyse- und Auswertungsmethoden am Grazer Zentrum für Elektronenmikroskopie (ZFE) den ACR Woman Award 2014. Die Analyse der Mikro- und Nanostrukturen von Werkstoffen bildet die Basis, um die Eigenschaften der Materialien zu verbessern.

LEXIKON

Austrian Cooperative Research (ACR) wurde 1954 als Dachverband für die wirtschaftsnahe Forschung in Österreich gegründet, damals mit 13 Mitgliedern. Heute vereint die ACR 19 Forschungsinstitute und Versuchsanstalten, die hauptsächlich kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU) in ihrer Forschung und Entwicklung unterstützen sowie prüfen, messen und Schulungen anbieten. Jedes Jahr werden über 500ACR-Projekte umgesetzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.10.2014)