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Fondsmanager folgen meist dem Herdentrieb

(c) AP (Justin Lane)
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In einer Studie wird das schlechte Abschneiden vieler Aktienfonds mit dem Herdentrieb der Fondsmanager begründet. Um ihre Karriere nicht zu gefährden, laufen die Manager den Kursen hinterher.

Frankfurt(höll). Die meisten Anleger sind mit der Performance ihrer Aktienfonds unzufrieden. Auf Grund der Börsentalfahrt befinden sich viele Fonds „unter Wasser“. Nicht wenige Papiere haben sogar schlechter abgeschnitten als der Gesamtmarkt. Die Deutsche Bank-Tochter DB Advisors hat nun den Grund dafür herausgefunden: Die meisten Fondsmanager folgen dem Herdentrieb. Investiert einer von ihnen in eine bestimmte Aktie, ziehen die meisten seiner Kollegen nach. Auch beim Verkauf passiert im Regelfall das gleiche Spiel.

Torben Lütje beobachtete für DB Advisors mehr als 250 Fondsmanager über einen längeren Zeitraum und befragte sie über ihre Sichtweise. Dabei stellte er fest, dass der Herdentrieb vor allem mit Reputations- und Karrierebestrebungen zusammenhängt. „Herdenorientierte Fondsmanager erhoffen sich durch ihr Verhalten einen positiven Beitrag für ihre Karriere“, heißt es in der Studie.

 

Neues Vergütungssystem gefordert

Der deutsche Finanzwissenschaftler Andreas Oehler macht dafür auch den sozialen Druck verantwortlich: „Es ist für einen Fondsmanager weniger risikoreich, wenn er sich genau so verhält wie die Herde, dann kann er zwar Fehler machen, aber auf die Mehrheit verweisen.“ Damit komme er sowohl gegenüber den Anlegern als auch bei seinem Arbeitgeber besser weg als wenn er Mut beweise und dann eventuell bei einer Fehlentscheidung bloß gestellt werde.

Wenn es kritisch wird, verlassen sich viele Fondsmanager auf computergesteuerte Systeme, bei denen Kauf- und Verkaufsentscheidungen automatisch auf Basis bestimmter Auswahlkriterien getroffen werden.

In Deutschland wird daher über eine Änderung des Entlohnungssystems für Mitarbeiter in der Fondsbranche diskutiert. Derzeit erfolgt die Messung des Anlageerfolgs im Normalfall durch einen Vergleich mit Marktindizes. Auch ein Vergleich mit Konkurrenten im gleichen Marktsegment ist weit verbreitet, was wieder den Drang zum Herdentrieb fördert.

Experten fordern, dass Fondsmanager gerade in Krisenzeiten ihrer eigenen Strategie folgen sollen, sonst brauchen die Kunden kein aktives Management.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2008)