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Streit um xenophobe Fremde

Das Sora-Institut bestreitet, dass viele Migranten FPÖ wählen.

Österreichische Migranten wählen erstaunlich rechts, ergab eine in der „Presse“ veröffentlichte OGM-Umfrage kurz vor der Wahl – sage und schreibe 23 Prozent würden demnach ihre Stimme der FPÖ geben; ein sonderbar anmutendes Ergebnis. Wählen Migrantinnen und Migranten wirklich Parteien, die mit Ausländerfeindlichkeit um Stimmen werben – kann die Forschung das bestätigen?

Nein, sagt Günther Ogris, der Geschäftsführer und wissenschaftliche Leiter des sozialwissenschaftlichen Instituts Sora, auf Anfrage der „Presse“. Ogris hält das OGM-Sample für zu klein, um wirklich aussagekräftig zu sein. „Die Porträtierung der ,Ausländer‘ als ,ausländerfeindlich‘ ist der Versuch, Scham über das Ausmaß der Vorurteile in unserer Gesellschaft zu verdrängen: Wenn man sich die Fremden selbst als xenophob vorstellen kann, dann beruhigt das das eigene Gewissen.“

Verständlich sei der Erfolg Straches bei der Umwerbung der Serben, meint Ogris. „Die FPÖ ist in diesem Wahlkampf gleichzeitig pro Orthodoxie und gegen den Islam aufgetreten. Das Armband des FPÖ-Parteivorsitzenden als Signal an die orthodoxe Kirche ist aufgefallen, auch das direkte Ansprechen der serbisch orthodoxen Zielgruppe in der Fernsehkonfrontation. Die FPÖ versucht so, die alten Konflikte zwischen Islam und Orthodoxie aus der Zeit der osmanischen Besatzung wiederzubeleben. Dabei handelt es sich um eine Konfliktstrategie, die schon die muslimische Bevölkerung in Bosnien schwer getroffen hat – im Jugoslawischen Bruderkrieg.“

Das Sora-Institut erforscht seit einem guten Jahrzehnt die politische Kultur und das Wahlverhalten von Migranten, in dieser Zeit habe sich stets bestätigt, was auch international vergleichbare Forschungen zeigen würden: dass Migranten mehrheitlich links wählen. „Einwanderer sind meist Teil des aufstiegsorientierten Arbeitermilieus und erhoffen für sich und ihre Kinder eine bessere Zukunft. Viele arbeiten in schlechten Jobs und versuchen aus dieser Position heraus, etwas für ihre Kinder aufzubauen.“ In Österreich resultiere daraus konkret, dass Einwanderer aus dem Arbeitermilieu überwiegend SPÖ, eingewanderte Akademiker mehrheitlich Grün wählen würden. sim

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2008)