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Finanzen: AWD muss Gürtel enger schnallen

(c) EPA (Rainer Jensen)

Der Finanzvertrieb erleidet einen deftigen Gewinneinbruch. Für das Gesamtjahr erwartet AWD einen Konzern-Überschuss, der nur leicht über null liegt.

Wien. (red./ag.). Der Finanz-Strukturvertrieb AWD schlittert offenbar in größere Probleme: In Österreich ist das Betriebsergebnis im dritten Quartal um 70 Prozent eingebrochen, in Großbritannien zieht sich das deutsche Unternehmen aus einem Großteil seiner Aktivitäten zurück und streicht 400 Jobs.

In Österreich ist der Strukturvertrieb in jüngster Zeit extrem in die Kritik geraten: AWD war einer der Hauptvertreiber von Immofinanz/Immoeast-Aktien. Die Papiere waren aggressiv in den Markt gedrückt worden, viele AWD-Berater hatten Immofinanz-Aktionären im Abschwung zudem dringend von einem Verkauf der Papiere abgeraten. Jetzt sitzen gut 80.000 heimische Anleger auf Immofinanz/Immoeast-Verlusten von bis zu 97 Prozent.

 

Beschwerden gegen AWD häufen sich

Beim Verein für Konsumenteninformation sind schon rund 800 Beschwerden gegen AWD-Berater in diesem Zusammenhang eingelangt. Der Österreich-Chef hatte vor kurzem überraschend den Hut genommen. AWD hat in Österreich knapp mehr als 100.000 Kunden und knapp 1300 Berater. Der Umsatz ist im dritten Quartal um 26,9 Prozent eingebrochen.

Im Gesamtkonzern ist der Umsatz (überwiegend Provisionen) um 12,5 Prozent auf 493 Mio. Euro geschrumpft. Das Betriebsergebnis (Ebit) halbierte sich auf 31 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr erwartet AWD einen Konzernüberschuss, der nur leicht über null liegt. Die Dividende wird deshalb ausfallen. Das trifft vor allem den Versicherungskonzern Swiss Life, dem der deutsche Finanzvertrieb fast zur Gänze gehört.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2008)