ÖBB: Die Bilanz 2008 wird blutrot

Mehr Hoffnung - ÖBB?
(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Das Spekulations-Geschäft soll komplett in die Bilanz gerechnet werden und belastet diese mit 438 Mio. Euro. Konkrete Zahlen wollte Halbmayr nicht nennen.

wien (jaz).Er wolle die „Planungssicherheit für die kommenden Jahre“ erhöhen, erklärte der neue ÖBB-Finanzchef Josef Halbmayr am Donnerstagabend vor Journalisten. Daher werde er das Spekulationsgeschäft der ÖBB im Ausmaß von 612,9 Mio. Euro komplett in der Bilanz 2008 „berücksichtigen“. Die Bahn wird nun eine Rückstellung im Ausmaß von 438 Mio. Euro bilden – der Rest wurde bereits in den Vorjahren rückgestellt. Diese Rückstellung belastet das Ergebnis, sodass die Bahn aller Voraussicht nach einen Verlust im Ausmaß eines dreistelligen Millionenbetrags erleiden wird. Konkrete Zahlen wollte Halbmayr nicht nennen. Wirklich verloren ist das Geld für die Bahn allerdings noch nicht, dies hängt von der weiteren Entwicklung der Geschäfte ab.

Wie die „Presse“ mehrmals berichtete, wurde das Spekulationsgeschäft im Herbst 2005 unter der Verantwortung von Halbmayrs Vorgänger Erich Söllinger abgeschlossen. Die fatale Unterschrift leistete ein Mitarbeiter des ÖBB-Treasury. Söllinger wusste nach eigenen Angaben nichts davon. Dennoch musste er per Ende Oktober seinen Hut nehmen. Die ÖBB klagten zudem auch den Vertragspartner Deutsche Bank auf Nichtigkeit des Geschäfts. Das Verfahren ist noch im Gange.

 

30 Mio. Prämie, 612,9 Mio. Risiko

„Mich interessiert weniger, wer daran schuld war oder wie das gelaufen ist. Mich interessiert, was wir damit nun machen“, sagt Halbmayr. Das Geschäft sei wie eine Versicherung aufgebaut. Die ÖBB sind dabei der Versicherungsgeber. Dafür erhielten sie einmalig eine Prämie von 30 Mio. Euro, die sie auf die zehnjährige Laufzeit zwischen 2005 und 2015 aufteilen. Versichert wurden die Kreditrisiken von 205 Firmen. Zur Auszahlung kommt es aber nicht anteilig je nach Ausfall dieser Unternehmen, sondern sobald eine gewisse Schadensgrenze überschritten ist – dann aber zu 100 Prozent (was 612,9 Mio. Euro entspräche). „Wenn eines dieser 205 Unternehmen insolvent wird, hängt es auch stark von der Konkursquote ab. Liegt diese bei null, dürfen nur 14 der 205 Firmen ausfallen. Vier sind bereits ausgefallen“, so Halbmayr. Bei den vier Unternehmen handelt es sich um die drei isländischen Banken – Kaupthing, Landsbanki und Glitnir. Bei diesen sei die Quote auch „eher gering“ gewesen, sagt Halbmayr weiter. Das vierte Unternehmen war die ebenfalls gestrauchelte US-Bank Washington Mutual. Hier stehe die Konkursquote noch nicht fest. Welche Unternehmen sonst noch enthalten sind, will Halbmayr nicht sagen. Einige seien ihm jedoch nicht einmal namentlich bekannt. Wie die Bahn mit dem Spekulationsgeschäft weiter verfährt, sei noch nicht klar.

Obwohl die ÖBB bereits mehrere Investmentbanken nach einer Risikoeinschätzung gefragt haben, konnte ihnen keine eine genaue Auskunft geben. „Sie sagen alle, dass das Verlustrisiko hoch ist. Aber sie können es nicht genau beziffern.“ Auch welchen Preis die Bahn an einen Investor zahlen müsste, damit dieser ihr das Risiko abnimmt, ist unklar. Die Bahn müsste dafür konkrete Anfragen an mögliche Investoren – vor allem globale Investmentbanken – stellen. Dafür benötigt sie aber die Zustimmung der Deutschen Bank. Solange sie gegen diese einen Prozess führt, dürfte dies also nicht geschehen.

Im operativen Geschäft werde die Bahn im Jahr 2008 Gewinne schreiben. In welcher Größenordnung sich diese Gewinne bewegen könnten, wollte Halbmayr nicht sagen. Sein Verständnis der Funktion als Finanzvorstand der Bundesbahnen definiert er folgendermaßen: „Das Vermögen der ÖBB soll nach meiner Tätigkeit nicht weniger wert sein als zuvor.“ Kommentar, Seite 39